Kommentar zur WM-Qualifikation Neue Entschlossenheit

Von Marko Schumacher 

Große Freude bei Sandro Wagner (rechts), Joshua Kimmich (Mitte) und Lars Stindl (links). Foto: dpa
Große Freude bei Sandro Wagner (rechts), Joshua Kimmich (Mitte) und Lars Stindl (links). Foto: dpa

Die Nationalmannschaft steht nach der souveränen WM-Qualifikation gut da. Doch es braucht mehr, um den Titel zu verteidigen.

Belfast - Zum 13. Mal hat eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft an einer WM-Qualifikation teilgenommen, zum 13. Mal hat sie sich durchgesetzt. Die Pflichtaufgabe ist wie immer erfüllt – neu ist: Nie zuvor ist eine DFB-Auswahl so entschlossen durchmarschiert wie diesmal. Das zeigt: Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler haben die richtigen Lehren gezogen. Nach dem WM-Triumph 2014 hatten sie sich zu lange dem Feiern hingegeben – und waren bei der EM 2016 zu spät in Schwung gekommen. Diesmal haben sie schon lange vor der anvisierten Titelverteidigung in Russland Fahrt aufgenommen.

Nicht nur deshalb wird die deutsche Elf im nächsten Sommer mit der Rolle des Favoriten leben müssen. In diesem Sommer hat eine B-Auswahl den Confed-Cup und eine dezimierte U 21 den EM-Titel gewonnen, während sich die Stars am Strand erholen durften. Zähneklappernd registrierte die Fußballwelt, dass die Auswahl an Spitzenspielern scheinbar grenzenlos ist. Wer sollte die Deutschen also schlagen?

So einfach liegen die Dinge leider nicht – denn dem Glanz der Nationalelf steht die Tristesse in der Bundesliga gegenüber. „Ein bisschen alarmierend“ fand es auch Löw, wie sich die Clubs zuletzt im Europapokal vorführen ließen. Den Konkurrenzkampf im eigenen Team will er eigentlich anheizen – und muss nun feststellen, dass viele der Hochbegabten dem höchsten internationalen Niveau noch nicht gewachsen sind.

Dabei wären junge, frische Topkräfte gerade jetzt so wichtig. Immer schneller und immer fordernder wird der moderne Fußball – die Generation der Weltmeister alleine wird daher kaum reichen, um den Titel verteidigen zu können. Die vielen Verletzungen der Neuers, Khediras, Özils oder Boatengs, allesamt inzwischen um die 30, haben längst gezeigt, dass die jahrelangen Höchstbelastungen ihren Tribut fordern.

So gesehen hätte es zumindest einen Vorteil, wenn die deutschen Clubs im Europacup früh scheitern: Der Bundestrainer könnte im nächsten Sommer mit ausgeruhten Spielern nach Russland reisen.

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