Eugen Bolz auf seinem früheren Wohnhaus, das abgerissen werden soll. Foto: Kollektiv 44

Grün-Rot unternimmt nichts, um die Villa des Widerstandskämpfers Eugen Bolz zu erhalten – eine krasse Fehlentscheidung, findet unser Kommentator Jan Sellner.

Stuttgart - „Eugen Bolz? Das war doch der . . . ?“ Nach vier Monaten intensiver Debatte um Erhalt oder Abriss der gleichnamigen Villa dürfte die Zahl derer, denen der Name Eugen Bolz etwas sagt, größer geworden sein. Das ist erfreulich, weil der aus dem katholischen Zentrum stammende Freiheitskämpfer im kollektiven Gedächtnis nur eine untergeordnete Rolle spielt, obwohl er zu den bedeutendsten Männern des Widerstands gegen die Nazi-Diktatur zählt.

Doch vermutlich ist das nur ein flüchtiger Effekt. Der jetzt besiegelte Abriss seines Wohnhauses wirkt dem Erinnern entgegen. Und damit auch der Beschäftigung mit einem zentralen Thema der Gegenwart: Bolz stand für Freiheit.

Seine Villa mag nicht der besterhaltene Erinnerungsort sein, aber sie ist der bestmögliche, weil Erinnerung eine authentische Adresse braucht. In diesem Fall: Am Kriegsbergturm 44 – der Ort, an dem Bolz zwölf Jahre lebte, hoffte und litt. Eine Gedenkstätte in der Villa Reitzenstein wiegt das nicht auf. Die Gefahr besteht, dass es künftig wieder heißt: „Eugen Bolz, wer war das doch gleich?“

j.sellner@stn.zgs.de

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