Die Tour de France wird 2015 wieder in der ARD übertragen Foto: ANP

Geht es bei der Tour de France wirklich sauberer zu? Oder geht es der ARD nicht nur um eines: Quote? Jochen Klingovsky mahnt zur Ehrlichkeit.

Die ARD zeigt wieder Live-Bilder von der Tour de France. Wenn es im Juli 2015 über Alpenpässe und um Etappensiege geht, werden die Fans nicht nur bei Eurosport im Bilde sein, sondern auch im Ersten – zumindest über das sportliche Geschehen. Zwar feiern die Radsportler nun die Rückkehr der ARD, die ihre Entscheidung damit begründet, dass es im Peloton inzwischen sauberer zugehe und vor allem die neue deutsche Profi-Generation mutmaßlich für Erfolge ohne Doping stehe. Doch hinter dieser Botschaft steht die Frage: Können die Verantwortlichen eines TV-Senders dies wirklich beurteilen? Die Antwort lautet: Nein!

Ehrlicher wäre, die wahren Gründe zu nennen: Die ARD verspricht sich gute Quoten, weil die Tour de France nach wie vor ein spektakuläres Sportereignis ist, das auch in Deutschland Zuschauer anzieht. Erst recht, wenn Stars wie Marcel Kittel oder Tony Martin wie zuletzt 2014 einen Etappensieg nach dem anderen einfahren. Und ehrlich wäre es auch zuzugeben, dass den Radsportlern Unrecht getan wird, wenn bei ihrem Jahreshöhepunkt die Mattscheibe schwarz bleibt – anders als bei der WM der Leichtathleten, Biathleten oder Langläufer, bei denen Doping ebenfalls eine bedeutende Rolle spielt. Weil die ARD sich eine gut vernetzte Doping-Redaktion leistet, ist sie darüber bestens im Bilde. Warum also nicht bei den Fakten bleiben? Sauberer Sport ist ein hehres Ziel, aber trotz aller Anti-Doping-Klauseln in den Verträgen mit Verbänden und Veranstaltern geht es auch der ARD in erster Linie ums Geschäft. Und da hilft es eben, an den großen Rädern zu drehen. Zum Beispiel bei der Tour de France.

j.klingovsky@stn.zgs.de

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