Salafisten verteilen Korane in deutschen Innenstädten. Foto: dpa

Die Bundesregierung hat den Etat für die Prävention von Extremismus um zehn Millionen aufgestockt. Mit ihrer Hotline für Angehörige setzt sie allerdings komplett falsche Signale, findet Politik-Redakteurin Almut Siefert.

Gegen die zunehmende islamistische Radikalisierung Jugendlicher und junger Erwachsener muss dringend etwas getan werden. Das steht fest. Nicht erst nach den erschreckenden Anschlägen auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Eine Aufstockung der Mittel im Kampf gegen die Radikalisierung von verschwindend gering auf gering ist sicher ein erster Schritt.

Doch bereits die Verortung der Beratungsstelle Radikalisierung der Bundesregierung zeigt, dass die Politik an dieses Thema mehr als realitätsfern herangeht. Warum das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für radikalisierte Jugendliche zuständig sein soll, wenn 55 Prozent der betroffenen Angehörigen, die sich bei der Hotline melden, aus sogenannten biodeutschen Familien stammen, ist schlicht nicht nachzuvollziehen.

Die Radikalislamisten aus Deutschland heißen zunehmend Fritz Fischer und Hans Müller – und haben daher wenig mit den Themen Migration und Flüchtlinge zu tun. Diese Zuordnung in den Verantwortungsbereich des Bundesamts setzt ein völlig falsches Signal: Sie schürt Vorurteile und zeigt auf, wie realitätsfern deutsche Politiker bei diesem Thema agieren.

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