Die Verlässlichkeit der S-Bahn hat gelitten. 2014 war sie so unpünktlich wie noch nie Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die S-Bahn hat ihren Rekord von 2013 in Sachen Unpünktlichkeit eingestellt. Schnelle Besserung ist nicht in Sicht, befürchtet Konstantin Schwarz.

Stuttgart - Geht es noch schlechter? Aber ja: „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“. Danke, dass sie schon wieder mit uns gefahren sind! Und natürlich schaffen wir es, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, bei unseren Verspätungen immer noch eine Schippe draufzulegen.

Jetzt sind wir ungerecht. Diese Durch­sage des Zugchefs gibt es in den S-Bahnen ja gar nicht. Dennoch: Die Schnellbahn hat 2014 den Beweis geliefert, dass trotz aller Versprechungen und zweier Gipfel zur Rettung der alten S-Bahn-Tugend Pünktlichkeit ein noch tieferes Tal erreicht werden kann. Aber warum?

Gründe gibt es immer: Lokführerstreik, Wasenzeit, heiße Sommer, kalte Winter, und dann die Fahrgäste! Ohne sie wäre vieles einfacher. Aber sie bleiben nicht weg. Im Gegenteil, es werden immer mehr: Weil es mehr Jobs gibt, der Stop-and-go-Verkehr auf den Straßen in der Region auch Nerven kostet und man im Auto nicht lesen kann. Wenn die Fahrgäste wenigstens schneller ein- und ausstiegen, käme man der Misere vielleicht bei.

Es gibt aber noch ein paar andere Ursachen für den neuen Tiefpunkt bei der Pünktlichkeit. Die S-Bahn zeigt im Kleinen, was republikweit im Großen passiert: Ein steuerfinanziertes, aber auf Rendite getrimmtes System wird in Richtung Kollaps gefahren. Substanz wird verbraucht. Wer Wartung, Instandhaltung und Erneuerung auf ganz kleiner Flamme betreibt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es nur noch abwärts geht.

Wann die alten, wohltuend besseren Pünktlichkeitswerte aus dem Jahr 2004 wieder erreicht werden? Diese Frage beantworten Bahn und der für die S-Bahn zuständige Regionalverband mit einem Achselzucken. Keiner will noch eine ­Prognose abgeben. Das ist die eigentliche Offenbarung.

Trösten wir uns mit einer Ankündigung des Bundesverkehrsministers. Alexander Dobrindt, CSU, will freies WLAN in Nahverkehrs- und S-Bahn-Zügen. Ja, Herr Minister, Pünktlichkeit wird wirklich überschätzt. Kostenloses Daddeln ist viel wichtiger. Thank you!

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