Gesundheitsminister Spahn will bessere Gespräche mit den Angehörigen über das Organspenden. Foto: dpa

Gesundheitsminister Spahn schafft die Voraussetzungen für eine höhere Spendenbereitschaft in Deutschland, er trägt dabei aber etwas dick auf, meint unser Autor Bernhard Walker.

Berlin - Warum gibt es in Deutschland so wenige Organspenden? Warum wurde vor einem Jahr ein „trauriger Tiefstand“ erreicht, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn es – leider zutreffend – nennt? Weil die Debatte über Organspenden zu lange zu einseitig ablief. Genau das will der CDU-Politiker ändern.

Zu Recht sagt er, dass es nicht an der Bereitschaft der Bürger zur Spende mangele – auch wenn dieser irreführende Eindruck über Jahre hinweg immer wieder vermittelt worden ist. Vielmehr fehlen in vielen Kliniken die Voraussetzungen, dass eine Transplantation überhaupt zustande kommt. An dieser Stelle setzt Spahn an, indem er die Vergütung der Krankenhäuser für Transplantationen verbessert und die Rolle der Ärzte stärkt, die sich darum kümmern sollen, dass eine Spende zustande kommt. Damit schafft der Gesundheitsminister die Voraussetzung dafür, dass der Tiefstand überwunden werden kann. Ob es zu einer Spende kommt, hängt eben wesentlich davon ab, ob Ärzte im hektischen Alltag auf der Station Zeit und Ruhe haben, um mit den Angehörigen zu sprechen – mit Menschen, die in einer entsetzlichen Lage sind, weil sie jemanden aus ihrer Familie verloren haben und vor der Frage stehen, ob sie einer Spende zustimmen sollen.

Das Gespräch, keine Frage, ist der Dreh- und Angelpunkt: Wenn es gelingt, gibt es eine gute Chance, dass Angehörige aus echtem Einverständnis Ja zu einer Organspende des Verstorbenen sagen. Es ist gut, dass Spahn diesen besonderen und schwierigen Moment am Lebensende in den Blick nimmt. Schade nur, dass er rhetorisch arg dick aufträgt. Sein Vorschlag, sagt er, werde „konkret Menschenleben retten“. Dafür kann der Gesetzentwurf aber lediglich eine Chance bieten: nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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