Unterschiedlicher könnte die Ausgangslage nicht sein: Daimler geht neue Schritte Richtung autonomes Fahren, VW kämpft bei den US-Behörden um Gnade, meint unser Kommentator Klaus Köster.
Stuttgart - Während Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Automesse in Detroit mit der halbautomatisch fahrenden E-Klasse ein neues Flaggschiff präsentiert, nutzt sein Chef-Kollege von VW, Matthias Müller, die Messe für einen Canossagang zur US-Umweltbehörde EPA. Während VW die Vergangenheit aufarbeitet, geht Daimler kühne Schritte in die Zukunft und lässt seine Fahrzeuge bei immer höheren Geschwindigkeiten fast alleine fahren.
Dabei sind die Stuttgarter von Schadenfreude weit entfernt – zu lange war man selbst im Fokus von US-Behörden, die nach Belegen für schwarze Kassen suchten. Wohl auch deshalb ließ Daimler seine oberste Korruptionsbekämpferin, Ex-Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, ohne die übliche Karenzzeit nach Wolfsburg ziehen, um dort Schadensbegrenzung zu betreiben. Dass sie dazu in der Lage ist, hat sie bei Daimler eindrucksvoll bewiesen: Den zuweilen brachial auftretenden US-Behörden setzte sie eine ausgewogene Kombination aus Kooperationsbereitschaft und Standfestigkeit entgegen. Sie verschaffte sich damit den Respekt, der nötig ist, um solche US-Ermittlungen zu überstehen.
Ob VW dies ebenfalls gelingt, ist aber alles andere als gewiss – geht es hier doch um die bewusste Täuschung von Verbrauchern und Behörden, die sogar noch weiterging, als die Amerikaner dem Skandal bereits auf der Spur waren. Doch gerade weil der Schlamassel so tief ist, könnten Hohmann-Dennhardts Erfahrungen für VW sehr hilfreich sein. Gelingt es ihr, für VW das Schlimmste abzuwenden, wäre dies auch für Daimler von Vorteil: Je schneller sich VW wieder fängt, desto geringer das Risiko, dass die US-Verbraucher die gesamte deutsche Branche in Mithaftung nehmen – und damit auch Daimler.
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