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Die Analyse zur Kaufkraft in der Region Stuttgart rückt die Debatte über negative Auswirkungen um Staus, Parkplätze und Fahrverbote zurecht. Aber sie enthält auch Arbeitsaufträge für eine reiche Region wie Stuttgart, kommentiert Thomas Durchdenwald.

Stuttgart - Und wo bleibt das Positive? Dieser Frage sehen sich Medienmacher oft gegenüber. Also etwas Positives: Die aktuelle IHK-Kaufkraftanalyse ist ein Nachweis dafür, wie gut es uns in der Region Stuttgart geht. Viele gut dotierte Arbeitsplätze führen zu einer – wohlgemerkt durchschnittlichen – Kaufkraft, die deutschlandweit nur im Großraum München höher ist. Doch es ist wie bei den Herdplatten: Auch in einer Region, in der überdurchschnittlich viel Geld in die Geschäfte getragen wird, gibt es Menschen, die zu wenig zum Leben haben. Wir sollten sie beim samstäglichen Konsumrausch nicht aus den Augen verlieren.

 

Selten war so viel Wandel im Handel wie in den zurückliegenden Jahren – jüngstes Beispiel ist die Entwicklung beim Stuttgarter Lokalmatadoren Wittwer, der unters schützende Dach von Thalia kroch. Und obwohl der Onlinehandel sich ein immer größeres Stück vom Kaufkraftkuchen abschneidet, beweist die Analyse eben auch, dass es für Katastrophenstimmung keinen Anlass gibt.

Hohe Kaufkraft nur eine Seite der Medaille

Seit Jahren ist beispielsweise die Attraktivitätskennziffer Stuttgarts so gut wie konstant – trotz des Baus von Milaneo, Gerberviertel und Dorotheenquartier, die manche als Heilsbringer des Citylebens überhöhten, aber auch trotz des Feinstaubalarms, mit dem manche schon den Untergang der Einkaufsstadt Stuttgart kommen sahen. Insofern taugt die Analyse auch dafür, in der erbittert geführten Debatte um Staus, Parkplätze und Fahrverbote etwas mehr Gelassenheit an den Tag zu legen.

Doch die Analyse ist auch kein Ruhekissen. Wohlstand und Kaufkraft hängen stark von der Automobilbranche ab, die vor riesigen Herausforderungen steht. Und die hohe Kaufkraft ist nur eine Seite der Medaille, die andere sind beispielsweise hohe Preise und hohe Mieten, die sich nicht alle leisten können. Eine reiche Region sollte nicht nur darüber nachdenken, was zu tun ist, um Wohlstand zu sichern und zu mehren. Sondern auch darüber, wie sie gerechter wird.