Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht den Islam als Teil von Deutschland. „Der Islam gehört zu uns, weil wir hier Millionen von Muslimen haben“, sagte der Regierungschef am Dienstag in Stuttgart. Foto: dpa

Winfried Kretschmann sieht den Islam als Teil von Deutschland. Und das ist gut so, findet StN-Chefredakteur Dr. Christoph Reisinger. Vor allem, weil es von einem kommt, der bis auf die Knochen schwäbisch ist. Und christlich.

Danke, Winfried Kretschmann. Zwar muss man, um mit dem Ministerpräsidenten festzustellen, dass der Islam zu Baden-Württemberg gehört, einfach nur das Straßenbild des Landes, sein religiöses Leben oder seine Kultur-Szene zur Kenntnis nehmen. Aber weil das Offensichtliche, das Unwiderlegbare zulasten des Zusammenhalts in der Gesellschaft so hartnäckig bestritten wird, hat es Wert und Bedeutung, dass dieses Wort gerade jetzt kommt. Von einem, der bis auf die Knochen schwäbisch ist. Und christlich.

Wie wohltuend hebt sich solche Klarheit ab von den gedanklichen Winkelzügen eines Stanislaw Tillich oder eines Volker Kauder, die weismachen wollen, die vielen deutschen Muslime gehörten notgedrungen auch irgendwie zu Deutschland, nicht aber der Islam. Das ist so schräg, als würden Badener behaupten, die Schwaben gehörten vielleicht doch zu Baden-Württemberg, das Schwäbische aber sicher nicht. Solche Winkelzüge stärken die falschen Tendenzen, weil sie spalten.

Die für den Frieden in dieser Gesellschaft, ihre freiheitlichen Grundwerte, ihr politisches System entscheidende Frage ist an dieser Stelle doch eine andere: Welcher Umgang mit Religion und auch mit religiös eingefärbten politischen Ideen gehört zu unserem Land? Die richtigen Antworten stehen klipp und klar in der Verfassung: Die Würde des Menschen ist unantastbar; jeder hat das Recht auf freie Religionsausübung, aber niemand steht im Rechtsstaat über dem Recht.

Wer das vernünftigerweise ernst nimmt, bleibt weg von pauschalen Haltungsnoten für einzelne Religionen. Und bewahrt den nüchternen Blick auf das, was ist, ebenso auf Richtig und Falsch. Genau das hat Kretsch­mann getan.

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