Merkel: Eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen? Auch das schaffen wir Foto: dpa

Merkel verspricht eine Million E-Autos auf den Straßen, und dafür müssen sich jetzt sogar Radfahrer abstrampeln.

Stuttgart - „Wir schaffen das“ – so lautet Angela Merkels Devise nicht nur beim Thema Flüchtlinge. Nach dieser Devise verfuhr sie auch nach der Atomkatastrophe von Fukushima – kurzerhand verfügte sie die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke, und seither müht sich Deutschland an der Energiewende ab. Auch beim Elektroauto gab die Kanzlerin die flotte Parole aus, auf Deutschlands Straßen sollten bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos fahren. Nach 50 Prozent der Zeit sind fünf Prozent des Ziels erreicht. Schaffen wir das?

Merkel setzt durch dieses Versprechen weniger die Autobranche unter Druck als sich selbst. Das hat die Industrie gut erkannt und lässt sich ihre Nothilfe für Merkel fürstlich bezahlen. Steuererleichterungen, Staatsgelder für Ladesäulen und Batterieforschung – an nichts soll es der Branche fehlen, damit sie Merkels Versprechen einlöst. Dass nun die steuerbegünstigten Autos auch noch mit einer Kaufprämie versehen werden sollen, macht die Förderung nicht besser, sondern nur teurer.

Ohne Not macht Merkel die E-Mobilität zu einer Angelegenheit des Steuerzahlers. Dabei haben die Hersteller selbst das allergrößte Interesse an einer raschen Verbreitung batteriegetriebener Autos, die sie dringend benötigen, um die Abgasvorschriften in aller Welt zu erfüllen. Warum also sollte sich der Radfahrer abstrampeln, um mit seinem Steuern dem E-Auto-Käufer ein gutes Gefühl zu verschaffen? Doch zumindest darf der VW-Konzern hoffen, über die Kaufprämie etwas Geld in die Kassen zu bekommen. Schließlich fällt das Geld für die extra dicke 300-Millionen-Euro-Dividende, die sich die Eigentümerfamilien Porsche und Piech jüngst genehmigt haben, nicht vom Himmel. Oder doch?

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klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de

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