Kommentar zur Druckkammer Ludwigsburg Zu wenig politischer Druck

Von Markus Klohr 

Heilsamer virtueller Tauchgang: eine Druckkammerbehandlung  kann Leben retten. Foto: factum/Archiv
Heilsamer virtueller Tauchgang: eine Druckkammerbehandlung kann Leben retten. Foto: factum/Archiv

Auch die neu gewählte Landesregierung weigert sich, aus Ludwigsburg ein HBO-Behandlungszentrum zu machen. Das ist mehr als enttäuschend, findet unser Kommentator Markus Klohr.

Ludwigsburg - Dass das Kurzzeitgedächtnis politischer Amtsinhaber schnell verblassen kann, ist eine Binsenweisheit. Doch selten wurde sie so eindrucksvoll bestätigt wie beim Verhalten der Landesregierung beim Thema Druckkammern. In Ludwigsburg gibt es alle Möglichkeiten, um ein Sauerstofftherapiezentrum für das ganze Land an einer Klinik mit Maximalversorgung einzurichten. Doch der Regierung sind die geschätzten Kosten von anderthalb Millionen Euro pro Jahr – das sind nicht mal 20 Cent pro Einwohner – zu viel.

Schlimmer noch: eigentlich haben Fachleute wie der ehemalige Landesbranddirektor oder der Landesfeuerwehrverband die Wichtigkeit solch eines Zentrums längst erkannt. Doch selbst die fachkundige Expertise von Feuerwehrleuten und Ärzten beeindruckt die Ministerien nicht. Die HBO-Therapie ist eben ein Nischenthema, der politische Druck folglich gering.

Ein Thema mit bundespolitischer Brisanz

Dabei birgt das Thema durchaus bundespolitische Brisanz. Es gibt ständig Patienten aus Baden-Württemberg, deren Behandlung faktisch von den Kassenbeitragszahlern der Nachbarländer Hessen und Bayern bezahlt werden – das kann einem Minister im Nachbarland eigentlich nicht gefallen. Und es ist ein Armutszeugnis für das reiche Baden-Württemberg. Es wirkt schon reichlich wohlfeil, dass das Innenministerium auf die Druckkammern in Murnau oder Ulm als Notfallversorger verweist. Murnau hat als Berufsgenossenschafts-Krankenhaus ebenso einen speziellen Finanzier wie das Bundeswehr-Krankenhaus in Ulm. So wird der Südwest-Werbespruch schnell zum „Wir können alles. Hauptsache andere bezahlen“ pervertiert.

Es stimmt schon: die Zahl der Patienten, die eine HBO-Therapie brauchen, ist nicht hoch. Dennoch schwebt über den politisch Verantwortlichen stets ein Damoklesschwert. Es könnte jeden Tag passieren, dass ein Patient, etwa nach einer nächtlichen Kohlenmonoxidvergiftung wegen eines Brandes, dringend eine HBO braucht, aber mangels Notdienst anderswo behandelt werden muss. Und es ist jederzeit möglich, dass dieser Patient die belastende Verlegung nicht überlebt oder zu spät behandelt wird. Es gab schon Minister, die aus geringerem Grund zurücktreten mussten.

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