Sechs Meistertitel in Folge: Thomas Müller, Arjen Robben und Franck Ribéry (v. li.) feiern die Meisterscahft des FC Bayern Foto: Getty

Sechs Meisterschaften in Folge sind schön für den FC Bayern – und werfen die Frage auf: Wer kann die Münchner stoppen? Aktuell keiner kommentiert unser Sportredakteur Marco Seliger.

Stuttgart - Sechs deutsche Meisterschaften nacheinander also – Glückwunsch und Chapeau, FC Bayern! Sechs Jahre Dominanz in der Bundesliga, sechs Jahre Münchner Vorherrschaft, sechs Jahre „Mia san Mia“ in Reinform – oder soll man besser sagen: Mia san übermächtig? Den Chefstrategen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge dürfte das sicher gefallen, denn die beeindruckende und noch nie da gewesene Münchner Meisterserie entspricht genau ihrem Selbstverständnis. Das Beste ist beim FC Bayern gerade gut genug – mit dieser Philosophie brachten Hoeneß und Rummenigge ihren Club zurück an die nationale Spitze, nachdem Jürgen Klopp und seine Rasselbande von Borussia Dortmund 2011 und 2012 noch die Liga dominiert hatten und die Bayern teilweise demontierten.

Jupp Heynckes, der 2013 das Triple holte, und sein Nachfolger Pep Guardiola, der das Spiel der Münchner auf ein neues Level hob, brachten den Club zurück auf Spitzenkurs. Gepaart mit Top-Neuverpflichtungen wie Javi Martinez oder später Robert Lewandowski brachten die Trainer das Team nach vorne – da konnte später selbst der gemütliche Carlo Ancelotti, der die Zügel schleifen ließ, zunächst keine größeren Schäden anrichten, so reibungslos lief das Münchner Uhrwerk, das Jupp ­Heynckes nach kleineren Störungen jetzt wieder ins Laufen brachte.

Ein echter Konkurrent ist nicht in Sicht

Klar haben die Münchner dabei immer einen großen finanziellen Vorteil gegenüber anderen deutschen Clubs, und klar: Sie bedienen sich nach wie vor gerne bei der Konkurrenz und werben ihr die besten Spieler ab. Das aber war schon immer so – und dennoch schafften es andere Vereine immer wieder, die Dominanz zu durchbrechen. Borussia Mönchengladbach in den 70-er Jahren, der HSV Anfang der 80-er, als es die finanzielle Dominanz der Münchner so noch nicht gab, später aber Werder Bremen, Borussia Dortmund oder etwa der Sensationsmeister von 1998, der 1. FC Kaiserslautern, das waren noch echte Gegner. Denn wer einen klugen Plan, einen schlauen Trainer und das passende Personal hatte, der zwang auch mal den Krösus in die Knie. Und jetzt? Ist ein echter Konkurrent nicht in Sicht.

Borussia Dortmund ist froh, wenn es den angepeilten Umbruch einigermaßen über die Bühne bekommt. Unter Klopp passten Philosophie und das junge, fähige und hungrige Personal. Jetzt ist der BVB nicht mal mehr ein besserer Sparringspartner für die Münchner, weil er zuletzt sowohl beim Spielerpersonal als auch bei den Trainern danebenlag. Andere Clubs wie RB Leipzig und der FC Schalke sind noch nicht so weit, um den Meister ernsthaft herausfordern zu können. Der Bayern-Konkurrenz fehlen kluge Konzepte, um dem Branchenführer die Stirn zu bieten. Die einzige Hoffnung der Gegner, dass die Bayern nicht auch noch den siebten Streich landen, stützt sich darauf, dass der Rekordmeister bald den falschen Trainer holen könnte – klingt ein wenig nach einem Armutszeugnis für den Rest der Liga.

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