Die Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen (li.) und Anshu Jain Foto: dpa

Die Deutsche Bank hat sich eine neue Strategie verordnet. Das Gewicht des Investmentbanking wächst – obwohl es das Institut in viele Skandale verwickelt hat. Für eine höhere Rendite nimmt die Bank noch mehr Risiko in Kauf, meint unser Wirtschaftschef Klaus Köster.

Stuttgart - Von 100 Euro, die die Deutsche Bank in ihren Büchern stehen hat, sind gerade mal 3,40 Euro Eigenkapital. Der Sicherheitspuffer in Form von Eigenkapital ist somit auch sieben Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise noch hauchdünn.

Dass es so nicht weitergehen kann, liegt auf der Hand; und so ist der Strategiewechsel zu einem guten Teil auch der Not mit den Regulierern geschuldet. Diese legen zu Recht Wert darauf, dass die Branche nicht ein weiteres Mal mögliche Verluste auf die Steuerzahler abwälzen kann.

Mit dem Verkauf der Postbank reduziert die Deutsche Bank ihre Bilanz gewaltig und erhöht so den Anteil des Eigenkapitals. Ob dadurch tatsächlich die Risiken reduziert werden, ist eine ganz andere Frage. Denn die Postbank, die sie nun abstößt, arbeitet gewiss risikoärmer als die Investmentbanker, deren Gewicht im Konzern nun sogar noch wächst.

Deutsche Bank musste zuletzt 2,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen

Rechnerisch immerhin wird die Bank solider – faktisch aber wächst mit der Verkleinerung das Gewicht der Investmentbanking-Sparte, der die Deutsche Bank inzwischen eine vierstellige Zahl von Gerichtsverfahren zu verdanken hat, von denen allein das jüngste mit einer 2,5-Milliarden-Dollar-Strafe endete.

Eine wirklich neue Strategie schlägt das Institut nicht ein. Es setzt weiter auf das Investmentbanking, das weit höhere Renditen verspricht als das schnöde Geschäft mit normalen Privatkunden, aber auch weit riskanter ist.

Zumal es nach wie vor eine Reihe von Bereichen wie etwa den ausufernden Derivatehandel gibt, bei denen eher das Wetten auf künftige Kursentwicklungen im Vordergrund steht als die Begleitung europäischer Unternehmen bei Investitionen und Transaktionen in aller Welt.

Die Sparte, die der Bank Milliardenstrafen einbrachte, wird noch gestärkt

Viele Milliarden Euro musste das Institut in den vergangenen Jahren an Strafen bezahlen, weil Manager Zinsen manipuliert und unsaubere Geschäfte gemacht hatten. Und ab heute muss sich Co-Chef Jürgen Fitschen sogar vor Gericht verantworten, nachdem sein Institut sich mit dem inzwischen verstorbenen Film-Mogul Leo Kirch überworfen hatte.

Das Investmentbanking ruinierte somit nicht nur die Rendite, sondern auch den Ruf des Instituts. Und Co-Chef Anshu Jain, der schon zu Zeiten der Skandale Verantwortung in der Sparte getragen hatte, darf sich durch die Verschiebung der Gewichte sogar noch gestärkt fühlen, obwohl er alles andere ist als eine Galionsfigur des Wandels.

Gewiss, auch die nun zum Verkauf vorgesehene Postbank ist alles andere als ein Renditebringer für das Institut. Denn in Zeiten extrem niedriger Zinsen ist es schier unmöglich, aus dem Geschäft mit den Privatkunden hohe Gewinne zu erzielen.

Die Postbank ist kein Rendite-Turbo, aber ein Stabilisator

Dass die Bank auch im verbliebenen Privatkundengeschäft Filialen schließen will, ist für die Beschäftigten bitter – aber die Deutsche Bank liegt da im Trend der Branche. Seit Bankgeschäfte von der Überweisung bis zum Aktienkauf von fast jedem Smartphone aus möglich sind, verliert die Präsenz vor Ort an Bedeutung.

Doch als Ausgleich für das schwankende Geschäft mit Großkunden war die Postbank durchaus geeignet – die Erträge fließen mäßig, aber regelmäßig. Dass sie nun als Klotz am Bein empfunden wird, sagt einiges aus über die Bereitschaft, für eine höhere Rendite verstärkt ins Risiko zu gehen. Umso wichtiger ist es, dass die Neuausrichtung einhergeht mit einer Konzentration auf die Geschäfte, die die Realwirtschaft unterstützen.

Ein Investmentbanking, das auf Lug und Trug basiert, braucht dagegen kein Mensch, der nicht vom Banker-Bonus lebt. Nur wenn sich das Institut hier endlich wandelt, besteht eine Chance, dass der Kulturwandel sichtbar wird, den Jain und Fitschen inzwischen seit Jahren ankündigen.

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