Bosch-Chef Denner setzt aufs Digitale Foto: dpa

Bosch-Chef Volkmar Denner erntet Früchte der Strategie, die er seit seinem Amtsantrott verfolgt, meint unser Kommentator Klaus Köster.

Stuttgart - Als Volkmar Denner bei seinem Amtsantritt vor gut drei Jahren ankündigte, sich ums Internet der Dinge zu kümmern, konnte er in viele erstaunte Gesichter blicken. Internet der Dinge? Unter den Umwelttechnologien, die sein Vorgänger Franz Fehrenbach hochgehalten hatte, konnte sich jeder etwas vorstellen. Aber war das, was sich der promovierte Physik-Theoretiker Denner vorgenommen hatte, nicht doch etwas speziell?

War es offenbar nicht, denn inzwischen erntet Denner die Früchte dieser Strategie. Dass Bosch sich inzwischen seine eigene Konjunktur geschaffen hat, liegt nicht zuletzt an vernetzten Produkten – und daran, dass Denner einen Konzern übernommen hat, der entgegen gängiger Moden eine große Produktpalette hat und sich mit Backöfen ebenso beschäftigt wie mit selbstfahrenden Autos und Alarmanlagen. Denn die Vernetzung erfasst alle Bereiche, und wer breit aufgestellt ist, kann seine Forschungskosten auf breiter Basis einspielen. Dass Bosch – noch in der Amtszeit Fehrenbachs – in Reutlingen eine eigene Sensorfertigung aufgebaut hat, erweist sich heute als hilfreich.

Mit seiner starken Präsenz in der Dieseltechnologie dürfte der Konzern gegenwärtig eher unglücklich sein. Den Ruf als Stinker ist der Diesel in den USA nie losgeworden, mit dem VW-Skandal holt er ihn womöglich auch in Europa ein. Ob Denners Aussage, der Diesel mache die Luft beim Feinstaub sauberer, bei den Skeptikern Widerhall findet, ist ungewiss. Zumal die Aussage auf die heutige Technologie gemünzt ist. Das Misstrauen gegen VW und eine Technik, die erst mit Filtern und Katalysatoren richtig sauber wird, lässt sich wohl erst abstellen, wenn die wirkungsvollen Möglichkeiten, den Diesel zum Saubermann zu machen, auch flächendeckend genutzt werden.

k.koester@stn.zgs.de