Bald im Ruhestand: Johannes Schmalzl Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die neue grün-schwarze Landesregierung hat die Regierungspräsidenten von Stuttgart und Tübingen, Johannes Schmalzl (FDP) und Jörg Schmidt (SPD), in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Das war eine Entscheidung ohne Rücksicht auf Qualität – meint unser stellvertretender Chefredakteur Wolfgang Molitor in seinem Kommentar.

Stuttgart - Vor fünf Jahren hat Thomas Strobl nach der Landtagswahl eine gute Frage gestellt. Ob Grün-Rot in der Villa Reitzenstein wohl ausgewürfelt habe, welcher Regierungspräsident abgesägt werde, wollte der CDU-Chef damals wissen. Er konnte so frech fragen, weil er nicht mitwürfeln konnte. Jetzt durfte er. Und wie.

Auf der grün-schwarzen Abschussliste stehen mit dem Tübinger Regierungspräsidenten Jörg Schmidt und seinem Stuttgarter Kollegen Johannes Schmalzl zwei Verwaltungsfachleute, denen man alles nachsagen kann, nur eines nicht: mangelnde Loyalität. Vor allem Schmalzl hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der letzten Legislaturperiode bei umstrittenen Zielen wie der Windenergie und den Gemeinschaftsschulen geradezu selbstlos gedient. Bis zum letzten Arbeitstag. Daran zu zweifeln, das 51-jährige FDP-Mitglied könnte eine „fortdauernde Übereinstimmung mit den grundsätzlichen politischen Ansichten und Zielen der Regierung“ nicht länger garantieren, ist lächerlich.

Kretschmann wollte einen Grünen an der Spitze

Wahr ist: Kretschmann wollte endlich im größten Regierungsbezirk des Landes einen Grünen an der Spitze. Ohne Rücksicht auf Qualität. Was Strobl anspornte, ein schwarzes Parteibuch nach Tübingen zu schicken und den SPD-Mann Schmidt abzulösen. Dass man die beiden Präsidentinnen in Ruhe beließ, zeugt da eher von einem schlechten Gewissen als von Souveränität. Kretschmann und Strobl haben zugegriffen. Gierig und schäbig.

wolfgang.molitor@stuttgarter-nachrichten.de

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