Jos Luhukay hat seine eigenen Methoden. Foto: dpa

Der Trainer hat ein Problem mit seinem Star – was zwar nicht ungewöhnlich im Fußball ist. Doch dieser Fall hat eine besondere Note, kommentierte Thomas Haid.

Stuttgart - Das Dilemma dürfte in etwa so alt sein wie der Fußball selbst. So gab es in der Vergangenheit immer wieder Auseinandersetzungen zwischen einem Trainer und seinem jeweiligen Star, beginnend vielleicht vor gut 40 Jahren in Mönchengladbach mit dem legendären Hennes Weisweiler und Günter Netzer bis hin zu den aktuellen Reibereien zwischen Pep Guardiola und Mario Götze beim FC Bayern oder zwischen Dieter Hecking und Max Kruse in Wolfsburg.

Auch der VfB Stuttgarthat in dieser Beziehung schon einige Erfahrungen gesammelt. Beispielsweise war das Verhältnis zwischen Ralf Rangnick und Krassimir Balakov nicht das beste. Noch tiefer war der Graben einst bei Lothar Buchmann und Hansi Müller – und auf das Zerwürfnis zwischen Albert Sing und Hans Ettmayer folgte 1975 der Abstieg in die zweite Liga. Damit sind wir in der Gegenwart.

Der VfB ist wieder unten. Der Trainer heißt heute Jos Luhukay – und Alexandru Maxim besetzt die Rolle von Hans Ettmayer. Dass Luhukay und Maxim nicht auf einer Wellenlänge liegen, ist offensichtlich. Ungewöhnlich ist an dieser Geschichte aber unter anderem die zeitliche Abwicklung des Konflikts, weil der Coach seinem Star schon eine Woche vor der Partie am Montag gegen den FC St. Pauli mitgeteilt hat, dass er nicht in der Startformation stehen wird. Wie kann sich ein Spieler angesichts einer solchen Offenbarung im Training dann noch motivieren? Dass Maxim nach seiner Einwechslung dennoch ganz entscheidend zum 2:1-Sieg beigetragen hat, zeigt nur seine Klasse – was wiederum zum nächsten Punkt führt.

Im Gegensatz zu den eingangs aufgeführten Fällen mit Guardiola, Götze und Co. gibt es im VfB-Kader aus fußballerischer Sicht zu Maxim keine Alternative. Dass ihm trotzdem Spieler vorgezogen wurden, die ganz offensichtlich weniger Qualität besitzen, ist für ihn eine schallende Ohrfeige. Nachdem er sich nach allem, was zu hören ist, auch nichts zu Schulden kommen lassen hat, muss er das alles persönlich nehmen.

Die Frage lautet, was sich Luhukay von seinem Umgang mit Maxim verspricht. Will er damit demonstrieren, wer der Chef im Ring ist? Unabhängig von der Antwort hat der VfB jetzt ein total überflüssiges und hausgemachtes Problem, was bestimmt nicht förderlich für das Klima in der Mannschaft ist, die ja wieder in die Bundesliga zurückkehren will.

Ob dieses Ziel erreicht wird, ist ungewiss. Fest steht dagegen, wie in der Historie fast alle derartigen Auseinandersetzungen endeten – ziemlich schnell mit dem Abgang des Trainers oder des Stars.

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