Enttäuschung pur: die VfB-Spieler nach der Niederlage in Berlin Foto: dpa

Der VfB Stuttgart ist längst keine Mannschaft mehr und überschätzt sich im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga noch immer maßlos, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.

Stuttgart - Es ist erstaunlich, wie schnell sich eine Elf manchmal entwickeln kann. Denn der VfB hat nur eine Woche gebraucht, um wieder der Alte zu werden. Jene Ansammlung von Stuttgarter Fußballprofis, die es nur einer Tatsache zu verdanken hat, dass sie noch nicht aus der Bundesliga abgestiegen ist: Es gibt eben zwei noch schlechtere Mannschaften. Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg. Wobei man sich bei den Franken gar nicht mehr so sicher sein kann. Selbst wenn die Tabelle den Club als Vorletzten ausweist.

Der VfB liegt einen Platz davor und hat es sich auf diesem Relegationsrang offensichtlich bequem eingerichtet. In der Gewissheit, ohne großes Zutun den 16. Tabellenplatz zu verteidigen, und in der Überzeugung, sich in den beiden Entscheidungsspielen gegen den Dritten der zweiten Liga schon durchzusetzen. Beides zeugt von einer Selbstüberschätzung, die nur einen Spieltag nach dem ersehnten Sieg gegen Gladbach die ernüchternde Niederlage in Berlin gebracht hat.

Manche Spieler geben nur vor, alles zu tun

Ohne die nötige Intensität und Emotionalität verspielte der VfB im Olympiastadion das gute Gefühl, das sich mit dem Interimstrainer Nico Willig eingestellt hatte. Dabei greift es zu kurz, den Spielern plump die falsche Berufseinstellung vorzuwerfen oder sie gar pauschal als charakterlos zu beschimpfen. Doch nach dem mutlosen Auftritt bei Hertha BSC stellt sich zumindest die Frage nach dem Charakter einer Mannschaft, die auf dem Platz längst keine Einheit mehr darstellt.

Die VfB-Profis bilden bestenfalls noch eine Interessengemeinschaft, die vorgibt, alles für den Verein zu tun. Ja, sie sind sich der schwierigen Lage bewusst. Und ja, sie sind bereit, in jedem Spiel bis an ihre Grenzen zu gehen. Aber umgesetzt wird es nur punktuell, da viele ältere Spieler nicht mehr gut genug sind, und so mancher junge es vielleicht nie wird. Insgesamt ergibt das ein hemmendes Leistungsklima und ein bedenkliches Bild: Die VfB-Spieler sitzen auf der Falltür zur zweiten Liga und tun so, als ob nichts passieren kann.

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