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Das Einheitsfest war ein Erfolg, doch was wird aus den Appellen?, fragt sich Landesnachrichten-Redakteur Arnold Rieger.  

Alles können sie vielleicht nicht, die ­Baden-Württemberger. Aber feiern allemal. Ihre Gäste haben in Stuttgart jedenfalls ein Einheitsfest erlebt, das eine schöne Mischung aus heiterer Unterhaltung und feierlichem Ernst geboten hat. Beim offiziellen Teil mit den „Verfassungsorganen“ ist das gar nicht so einfach. Denn der Grat zwischen steifer Würde und plattem Witz ist schmal. Doch sowohl im Gottesdienst als auch im Festakt ist es gelungen, auch jene Gäste emotional anzusprechen, die mit der Einheit vielleicht nichts oder nicht mehr viel verbinden.

Die Stimmung der Besucher beim Bürgerfest im Video.

Beim Bürgerfest mit Bier und Bratwurst kam den Organisatoren obendrein das Glück der Tüchtigen zu Hilfe: Das Wetter spielte perfekt mit. Die Bilanz von 500.000 Besuchern übertrifft die Erwartungen jedenfalls bei weitem. Das einzige Fragezeichen kann man hinter das Thema Sponsoren setzen. Ohne das Geld von privaten Unternehmen lässt sich ein solches „Bürgerfest“ offenbar nicht mehr finanzieren. Es sei denn, man machte es wieder eine Nummer kleiner. Warum geht das nicht mehr?

Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann hat seine Rolle als Gastgeber bravourös gemeistert. Sein Appell an die Länderkollegen, die föderalen Finanzbeziehungen neu zu verhandeln, ist bislang allerdings nur ein frommer Wunsch. Sein konzilianter Kurs, auf Verhandlungen anstatt auf Klage zu setzen, hat ihn noch keinen Millimeter vorangebracht. In den nächsten Jahren wird man den Erfolg der deutschen Einheit auch danach bemessen müssen, wie reformfähig die Länder sind. Auch Bundespräsident Gauck hat dem Thema Einheit eine neue Facette hinzugefügt: die Frage, ob alle Deutschen dieselben Bildungschancen haben. Gelungene Festreden sind das eine – was daraus wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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