Exportschlager: das Stuttgarter Ballett. Foto: Stuttgarter Ballett

Die Politik nimmt sich mit dem erneuten Votum für den Chef des Stuttgarter Balletts, Reid Anderson, zugleich selbst in die Pflicht, kommentiert Nikolai B. Forstbauer.

Stuttgart - Mit Vergangenem hält sich Reid Anderson nicht auf. Seit 1996 Intendant des Stuttgarter Balletts richtet sich der Blick ­Andersons immer nach vorne. Einziges Ziel war und ist: Das Stuttgarter Ballett in der Weltspitze zu halten.

Gerne wird das Risiko unterschätzt, das Reid Anderson als Chef des internationalen Kultur-Exportschlagers Stuttgarter Ballett immer wieder eingeht. Schon selbstverständlich ist das Heranführen immer neuer Tänzerinnen und Tänzer wie Alicia Amatriain, Marjin ­Rademaker, Anna Osadcenko oder ­Friedemann Vogel an die Spitze der ­Kompanie – und damit in den Fokus der internationalen Ballettwelt. Und kaum mehr für Staunen sorgt, dass mit den Choreografen Marco Goecke und Demis Volpi auch die Balletthandschrift „made in Stuttgart“ international Furore macht.

Weiter so! Das ist die Botschaft, die das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart als Träger des Stuttgarter Staatstheaters mit der Verlängerung des Vertrages für Reid Anderson um zwei Jahre bis 2018 verbinden. Das Tempo Reid Andersons fasziniert die Politik.

Nur eines kann selbst Anderson bisher nicht beschleunigen: den von ihm bereits 1996 angemahnten Neubau der John-Cranko-Schule des Stuttgarter Balletts samt der ebenso lange überfälligen Probebühne für die Kompanie. Sind Ausbildungszentren im Spitzensport auch dann gesellschaftlich gewünscht, wenn die Nachhaltigkeit fehlt, muss der 64-jährige Kanadier noch immer erklären, was die Cranko-Schule des Stuttgarter Balletts eigentlich ist. Reid Anderson wird kämpfen, um den Neubau der Nachwuchsschmiede realisieren zu können. Die Politik nimmt sich mit dem Votum für Anderson zugleich selbst in die Pflicht.

n.forstbauer@stn.zgs.de

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