In der Weißenburgstraße wirbt die Regenbohnenfahne für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben – die hat sich aber offenbar noch nicht überall durchgesetzt Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Vereinsräume eines schwul-lesbischen Zentrums werden als unrein bezeichnet. Solche Ansichten haben in einer liberalen Gesellschaft nichts zu suchen.

Stuttgart - Die Verwirrung ist groß: Ein schwul-lesbischer Verein, der nur Flüchtlingen helfen wollte, fühlt sich von einer Stuttgarter Moscheegemeinde diskriminiert. Die soll ihrem Imam verboten haben, in den Räumen des Vereins aufzutreten. Allerdings will bei der türkisch-islamischen Union Ditib niemand etwas von dem Vorfall wissen. Und durch diskriminierende Umtriebe sind die Feuerbacher Muslime bisher auch noch nicht aufgefallen.

Doch wer auch immer den Auftritt des Imams beim Opferfest verhindert hat: Der Vorfall ist ein Warnsignal. Wenn die Vereinsräume eines schwul-lesbischen Zentrums als unrein gelten, stößt die Toleranz gegenüber religiösen Ansichten schnell an Grenzen. Solche Vorstellungen haben in einer liberalen Gesellschaft, in der jeder für sich in Anspruch nehmen darf, seinen Glauben oder eben seine sexuelle Orientierung frei zu leben, keinen Platz. Sie erschweren das Zusammenleben. Und man stelle sich nur den Aufschrei vor, wenn ein christlicher Pfarrer derart zurückgepfiffen worden wäre.

Beim schwul-lesbischen Zentrum wird jedenfalls in Zukunft eine Menge Toleranz vonnöten sein, um erneut spontan zu helfen, wenn im Gegenzug Verachtung droht.

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