Kommentar zum Manöver Anakonda Notwendige Übung – unnötige Provokationen

Von Matthias Schiermeyer 

Ganz so lustig wie diese amerikanischen Soldaten, die vor Beginn der Übung mit einer Plüsch-Anakonda posieren, können die Russen das Militärmanöver nicht finden. Foto: dpa
Ganz so lustig wie diese amerikanischen Soldaten, die vor Beginn der Übung mit einer Plüsch-Anakonda posieren, können die Russen das Militärmanöver nicht finden. Foto: dpa

Das größte Manöver auf polnischem Boden seit 1989 ist militärisch begründbar – und ein klares Signal an Russland, dass die Nato ihren osteuropäischen Partnern den gewünschten Rückhalt gewährt. Dennoch wird Moskau mit der Übung Anakonda unnötig provoziert, meint Matthias Schiermeyer.

Stuttgart - Militärübungen sind auch in Friedenszeiten eine Selbstverständlichkeit. Das Zusammenspiel der Truppenteile kann nicht nur am Computer geübt werden. Zudem verändert sich der Charakter der Konflikte, wie man auf der Krim und in der Ukraine sieht. Antworten auf eine sogenannte hybride Kriegsführung in Verbindung mit konventionellen Truppenverlegungen müssen in der Praxis trainiert werden. Nun findet die an diesem Dienstag in Polen gestartete Übung Anakonda seit 2006 alle zwei Jahre statt, in der Vergangenheit blieb sie vergleichsweise unbeachtet. Diesmal hat sie allerdings eine Brisanz wie nie zuvor.

Viel Zündstoff kurz vor dem Nato-Gipfel

Denn eingeladen sind nicht nur eineinhalb Dutzend Mitglieder der Allianz, sondern auch Ukraine und Georgien, die in absehbarer Zeit kaum in die Nato aufgenommen werden. So setzt dieses größte Manöver auf polnischem Boden seit 1989 nicht nur ein aus Sicht der osteuropäischen Partner gewünschtes Zeichen der Einigkeit im Westbündnis, es wirkt auch wie eine gezielte Provokation Russlands. Den Polen mag das Recht sein – ihre nationalkonservative Regierung setzt mehr denn je auf Abgrenzung zum östlichen Nachbarn und freut sich gerade über reichlich Mitstreiter. Objektiv betrachtet ist auch die Teilnahme der von Warschau aufgebauten Freiwilligenverbände fragwürdig – solche Milizen können nicht Teil der Nato-Strategie sein. Moskau erhält somit reichlich politische Munition, um sich der eigenen Bevölkerung als vom Westen bedrohte Militärmacht darzustellen.

Wenige Wochen vor dem Nato-Gipfel wird die Übung zumindest von Teilen der Alliierten mit unverhältnismäßig viel Zündstoff aufgeladen. Russlands Präsident Putin versteht die klare Sprache – er pflegt sie ja selbst. Doch führt der Weg zu einer Stabilisierung in der Ukraine und zur Kooperation vor allem in Syrien nur über eine Verständigung. Diese wird durch übertriebenes Säbelrasseln vor der Haustür Moskaus sicher erschwert.

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