Kita-Beschäftigte im Ausstand: Plakat bei einer Streikkundgebung von Erziehern in Jena Foto: dpa

Hunderttausende Eltern müssen sich von Freitag an auf unbefristete Streiks in den kommunalen Kitas einstellen und eine alternative Betreuung für ihre Kinder suchen. Doch die Gewerkschaftsforderung nach durchschnittlichen Gehaltserhöhungen von zehn Prozent ist zu schrill, kommentiert Wolfgang Molitor.

Stuttgart - Ab morgen stehen auch die Holz-Lokomotiven in den Kindertagesstätten still. Na prima, werden jetzt alle Eltern rufen. Schließlich behaupten die Gewerkschaften so gern und mit unschuldigem Blick, dass die allermeisten von ihnen für den möglicherweise über Pfingsten hinausgehenden Streik Verständnis aufbringen.

Es ist in diesen Tagen viel von Verständnis und Wertschätzung die Rede. Zu Recht. Die Arbeit der rund 240 000 Beschäftigten ist anspruchsvoll und verantwortungsreich. Und sie ist als immer noch typischer Frauenberuf obendrein nicht optimal eingruppiert. Alles das wird nicht in Abrede gestellt. Aber der Ruf nach durchschnittlichen Gehaltserhöhungen von zehn Prozent ist zu schrill. Verdi, Beamtenbund und GEW setzen damit auf Provokation statt auf Lösung.

Denn wie steht es zum Beispiel mit der Wertschätzung all jener Eltern, die ihren Berufsalltag nicht mal so eben umorganisieren können? Die nicht für unbefristete Zeit Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen dürfen? Die keine Verwandten haben, die solange klag- und selbstlos einspringen, bis die Kitas wieder öffnen? Was ist mit den Kindern, die merken, dass sie plötzlich im zeitlich eng genug getakteten Berufsleben ihrer Eltern vor allem eines sind: ein Störfaktor?

Nicht unser Problem, antworten die Gewerkschaften da gelassen. Nach ihrer Sicht der Dinge tragen schließlich nicht jene die Verantwortung für die Eskalation, die ihre Schützlinge aussperren und für ihre frühe Streik-Ankündigung auch noch gelobt werden wollen. Schuld sind demnach die Kommunen, die trotz schwieriger Haushaltslage nicht mal eben zehn Prozent zulegen wollen. Sicher ist nur eins: Leidtragende sind Kinder und Eltern. Verständnis hin, Verständnis her.

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