Nikolaj Jacobsen kann es nicht fassen: Der Löwen-Trainer und seine Mannschaft sind die Leidtragenden aus dem Termingerangel. Foto: dpa

Die Rhein-Neckar Löwen müssen fast zeitgleich zwei Spiele bestreiten. Warum? Weil jeder bei diesem unsäglichen Terminstreit nur an sich denkt und keiner an den Handball. HBL und EHF geben ein desaströses Bild ab. Die Fronten in diesem albernen Kindergarten-Spielchen sind verhärtet. Der Imageschaden für die Sportart ist riesig, findet unser Redakteur Jürgen Frey

Stuttgart - Sie wussten ganz genau, was sie taten: An einem spielfreien Wochenende der Fußball-Bundesliga samstags um 18.10 Uhr live in der ARD den Knüller THW Kiel gegen Rhein-Neckar Löwen zu zeigen, das hat natürlich Charme. Doch als die Handball-Bundesliga (HBL) im Herbst 2017 diesen Termin festlegte, rannte sie sehenden Auges ins Verderben.

Längst war damals schon klar, dass am selben Wochenende das Achtelfinale der Champions League über die Bühne gehen würde. Die HBL zog die Ansetzung trotzdem gnadenlos durch, der Europäische Verband (EHF) war zu keinen Kompromissen bereit. Jetzt treten die Rhein-Neckar Löwen mit ihrem ersatzgeschwächten Drittliga-Team in der Königsklasse in Kielce an. Noch absurder wird diese Posse dadurch, dass sich der irrwitzige Terminstreit sogar auf den Abstiegskampf in der dritten Liga auswirkt. Mit Fairplay und Sportsgeist hat das nichts zu tun.

Amateure unter sich. Jeder denkt nur an sich, keiner an den Handball, erst recht keiner an die Gesundheit der Spieler. HBL und EHF geben in der Öffentlichkeit ein desaströses Bild ab – und das seit Monaten. Die Fronten in diesem albernen Kindergarten-Spielchen sind verhärtet. Der Imageschaden für die Sportart ist riesig. Es gibt nur Verlierer.

Ein Ausweg aus der verzwickten Lage ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die aktuellen TV-Verträge gelten bis 2020, der Rahmenterminkalender der EHF sieht weitere Überschneidungen vor. Der nächste Crash ist programmiert. Was helfen kann? Am ehesten ein Mediator von außen, der die Situation beurteilt und alle Beteiligten an einen Tisch bringt. Vorgeschlagen wurde das schon. Passiert ist bisher: nichts.

juergen.frey@stzn.de

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