Wie eine Protestmontranz tragen sie die Botschaft vor sich her, ihrer Abscheu gegen das Gipfeltreffen der sieben wichtigsten Industrienationen weitestgehend friedlich Ausdruck geben zu wollen Foto: dpa

Es scheint, dass der Protest, der mehrere Tage rund 17 000 Polizisten mobilisiert, dem Gipfel erst die nötige Aufmerksamkeit verleiht. Statt um Inhalte gehe es nur um die Optik, kommentiert Wolfgang Molitor.

Elmau - Fast hat man den Eindruck, dass die Proteste wichtiger sind als der eigentliche G7-Gipfel im Werdenfelser Land. Nahezu jede Handvoll Demonstranten bekommt ihre eigene Meldung: die zehn, die die Bundesstraße 2 am Ortsausgang von Mittenwald blockieren. Die 20, die sich unweit von der Polizei von der Straße wegtragen lassen. Nicht zu vergessen jene 150, die im Vorfeld auf ihrem Marsch nach Elmau von Sicherheitskräften abgefangen werden.

Wie eine Protestmontranz tragen sie die Botschaft vor sich her, ihrer Abscheu gegen das Gipfeltreffen der sieben wichtigsten Industrienationen weitestgehend friedlich Ausdruck geben zu wollen. Als sei das ein besonderes Entgegenkommen als pure demokratische Selbstverständlichkeit.

Es scheint, dass der Protest, der mehrere Tage rund 17 000 Polizisten mobilisiert, dem Gipfel erst die nötige Aufmerksamkeit verleiht. Denn es sind Bilder wie diese, die die notgedrungen hinter dichten Absperrungen tagenden Politiker von vornherein als eine abgehobene, von den Menschen weit entfernt handelnde Gruppe stigmatisieren. Was kümmert es da, worüber sie sich ernsthaft Gedanken machen und um Lösungen ringen? Politik vermittelt komplizierte Inhalte. Demonstranten liefern knallige Fotos. Nur Barack Obama in der Lederhose hätte ihnen die Schau stehlen können. Ein ungleicher Kampf.

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