Die neue Rasanz im deutschen Angriff: Serge Gnabry (li.) und Leroy Sané führen das Nationalteam zum überraschenden 3:2-Erfolg in den Niederlanden. Foto: dpa

Der Umbruch zeigt schnell Wirkung: Warum Bundestrainer Joachim Löw nach Meinung unseres Redakteurs Jochen Klingovsky auf dem richtigen Weg ist.

Amsterdam - Wer am Wochenende das 5:0 des englischen Nationalteams gegen Tschechien gesehen hat, dachte sich unweigerlich: Wow, was für ein Fußball! Und was für eine talentierte Mannschaft – in Jadon Sancho und Callum Hudson-Odoi kickten sogar zwei junge Wilde, die Jahrgang 2000 sind. Zugleich erinnerte sich der geneigte Beobachter an den Rumpelfußball der deutschen Mannschaft bei der WM und in der Nations League, verbunden mit der Frage: Wie weit hinkt die DFB-Elf wirklich hinterher? Die Antwort folgte am Sonntagabend.

Völlig unabhängig vom Ergebnis, von der Qualität des Gegners und der schwächeren zweiten Hälfte gab das EM-Qualifikationsspiel in den Niederlanden einen deutlich Hinweis: Bundestrainer Joachim Löw ist mit dem Umbruch, den er eingeleitet hat, auf dem richtigen Weg. Weil das deutsche Team mit der Zeit geht: Es ist wieder Tempo im Spiel. Der moderne Fußball verlangt eine Mixtur aus Pressing und Gegenpressing, aus Vertikal- und Ballbesitzspiel – und das alles in höchster Geschwindigkeit. Genau daran mangelte es dem deutschen Nationalteam zuletzt, nicht nur bei der WM. Doch Löw hat Behäbigkeit, Trägheit und Schwerfälligkeit den Kampf angesagt, und die erste Halbzeit in Amsterdam nährte die Hoffnung, dass er diesen schneller gewinnen könnte als gedacht. Wer mit England, Frankreich oder den Niederlanden mithalten will, muss deren Tempo gehen können. Das neue, stark verjüngte Team von Löw verfügt über die dafür nötigen Spieler.

Positiv stimmt auch, dass die Beteiligten ihre starke Leistung einzuschätzen wussten. Alle betonten, wie viel Arbeit noch vor ihnen liegt. Klar ist: Weltspitze sind derzeit andere Nationen, auch wenn diese doch nicht so weit enteilt zu sein scheinen, wie die Kritiker befürchten haben. Ein Problem bleibt dennoch, wie ein Blick auf die Nationalteams der U 19 und U 17 zeigt, die sich nicht mehr aus eigener Kraft für die EM qualifizieren können: Dem deutschen Fußball fehlt es im Nachwuchs aktuell nicht nur an Qualität, sondern vor allem auch an Quantität. Talente wie Sancho oder Hudson-Odoi sind Mangelware. Will der deutsche Fußball künftig (wieder) erfolgreich sein, muss er folglich die Ausbildungskonzepte für seine Talente überdenken, neu ausrichten, kreativer gestalten. Und das am besten in höchstem Tempo.

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