Die Bahn baut ihre eigene Fernbus-Flotte namens Berlin Linien Bus kräftig aus. Foto: dpa

Die Bahn erreicht ihre Expansionsziele im Fernbusgeschäft schneller als geplant und will ihr Netz trotz des harten Wettbewerbs weiter ausbauen. Davon profitieren die Kunden der noch jungen Branche, meint Wirtschaftsredakteur Thomas Thieme.

Stuttgart - Von Stuttgart nach München für neun Euro. Wer dieses Schnäppchen buchen möchte, muss seine Reise nicht wochenlang vorher geplant haben. Diesen Preis hat die Suchmaschine des Fernbus-Branchenführers Mein Fernbus Flixbus am Montagmorgen, halb zehn, für eine Fahrt ausgeworfen, die nur zwei Stunden später beginnen sollte. Ein unschlagbares Angebot im Vergleich zu den klassischen Alternativen Bahn, Flugzeug und Auto. Letzteres bringt einen zwar schneller in die bayerische Landeshauptstadt, es ist dem Überlandbus aber trotz der aktuell niedrigen Spritkosten im Preis unterlegen. Klarer Vorteil für den Fernbus.

Die beiden stärksten Wettbewerber haben sich 2015 zusammengeschlossen

Das Prinzip der kollektiven Personenbeförderung abseits der Schiene ist in Deutschland angekommen. Das hat auch die Deutsche Bahn erkannt. Anstatt den wenig erfolgversprechenden Versuch zu unternehmen, den Bussen nur mit ihren Bahnen das Wasser abzugraben, baut die Bahn ihre eigene Fernbus-Flotte namens Berlin Linien Bus kräftig aus. Getreu dem Motto: Den Gegner mit seinen eigenen Waffen schlagen. Der Hauptgegner, das eingangs erwähnte Mein Fernbus Flixbus, ist bereits die Kombination aus den beiden stärksten Konkurrenten, die im vergangenen Jahr fusioniert haben. Zusammen vereinen beide fast drei Viertel der Marktanteile auf sich. Die einzigen ernst zu nehmenden Wettbewerber sind die Post, die nach dem Ausstieg des ADAC das gemeinsam gestartete Projekt des wiederbelebten „Postbus“ weiterführt, und eben die Bahn.

Die Fernbusse sind bisher von der Autobahn-Maut befreit

Solange der Konzentrationsprozess nicht auch noch diese beiden Anbieter vom Markt fegt, dürfen sich die Kunden über weitere Tiefpreise und über eine steigende Zahl von Verbindungen freuen. Allerdings wird der Preiskampf irgendwann zu Ende gehen. Daran könnte auch die Politik ihren Anteil haben: Heute fahren die Busse noch befreit von der Maut über die Autobahnen. Die Fernbus-Streckennetze werden stetig ausgebaut, was die Verkehrsinfrastruktur zunehmend belastet. Wieso die Busse gegenüber mautpflichtigen Lastwagen bevorzugt werden, ist auf Dauer schwer zu vermitteln. Neben Verkehrspolitikern nahezu aller Parteien fordern auch die Verantwortlichen der Bahn die Maut für den Fernbus. Nur der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sieht es anders und bremst die Pläne bisher aus.

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