Der Fall Rehm: Aussitzen ist keine Lösung Foto: Getty

Markus Rehm zeigt Wege auf, doch der Leichtathletik-Weltverband versucht den Fall auszusitzen. Das ist ein schlechtes Zeichen für die Inklusion, kommentiert unser Sportredakteur Jochen Klingovsky.

Köln -

Markus Rehm plagt ein Problem, und dieses hat nichts damit zu tun, dass ihm der rechte Unterschenkel fehlt: Der Prothesen-Weitspringer ist zu gut. Als sich der Südafrikaner Oscar Pistorius zu Olympia 2012 und WM 2011 klagte, störte das am Ende keinen mehr, weil er bei den Großereignissen hinterherlief. Markus Rehm würde in Rio um Gold springen. Den einen gilt er deshalb als Athlet, der zeigt, was Menschen trotz einer Behinderung zu leisten imstande sind. Aus Sicht der anderen ist für einen Sport, in dem alles messbar und eindeutig geregelt sein muss, eine Gefahr – zumindest so lange nicht bewiesen ist, dass Rehm durch sein technisches Hilfsmittel keinen Vorteil hat.

Diese Klarheit hat auch die neueste Studie nicht bringen können, Rehm weiß das. Trotzdem bleibt sein Ziel, auf ganz großer Bühne auftreten zu dürfen, bei Olympia oder der WM der Nichtbehinderten – und er hat auch den Weg dorthin aufgezeigt: Rehm will nicht um Medaillen springen, sich aber trotzdem mit den Besten messen. In getrennten Wertungen. Das funktioniert bisher aber nur in Deutschland. Der Leichtathletik-Weltverband versucht dagegen, den Fall Rehm durch Aussitzen zu lösen. Nicht mal ein Gespräch gab es mit ihm. Das ist schäbig und viel zu kurz gesprungen. Nicht, weil Rehm eine Prothese trägt. Sondern weil es so einfach wäre, Inklusion im Sport zu leben. Man muss es nur wollen.

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