Laser-Zählung in Stuttgart Zeit für seriöse Fakten im Einzelhandel

Von Sven Hahn 

Menschenmassen auf der Königstraße – nur wie viele sind es genau? Das sollen Laser nun erfassen. Foto: dpa
Menschenmassen auf der Königstraße – nur wie viele sind es genau? Das sollen Laser nun erfassen. Foto: dpa

Die Debatte um die Attraktivität der Stadt ist zu wichtig, um sie allein auf Basis von Stichproben und Vermutungen zu führen, kommentiert StN-Titelautor Sven Hahn.

Stuttgart - Wo es keine verlässlichen Daten gibt, werden fehlende Fakten gerne mit Vermutungen, Ideologie oder Halbwissen ersetzt. So geschehen in der Debatte um Passantenfrequenzen in der Innenstadt.

Die Händler in den Innenstädten fühlen sich bedroht – und das zu Recht. Lag der Anteil am Umsatz der Konkurrenz aus dem Internet vor wenigen Jahren noch im niedrigen einstelligen Prozentbereich, so werden es in zwei oder drei Jahren wohl bereits mehr als 20 Prozent sein. Und in der Landeshauptstadt ist die Situation nochmals deutlich schwieriger.

Mit dem Bau riesiger Konsumtempel wurde die Verkaufsfläche in der Innenstadt binnen weniger Jahre um fast ein Viertel erweitert. Damit jeder überleben kann, müssten pro Jahr Hunderte Millionen Euro zusätzlich in Stuttgart ausgegeben werden. Und: In Zeiten, in denen sich Stadtvermarkter und Händler mit aller Macht bemühen, mehr Menschen in die City zu locken, diskutiert die Politik öffentlichkeitswirksam über Fahrverbote und den Rückbau von Parkplätzen.

Zahlen müssen seriös ausgewertet werden

Hält man sich nun vor Augen, dass die Grundlage all dieser Diskussionen bislang bestenfalls stichprobenartige Schätzungen oder gefühlte Eindrücke waren, wird klar, wie wichtig die präzise Erfassung von Passantenzahlen in den großen Städten und speziell in Stuttgart sein könnte. Das bedeutet aber, dass die Zahlen, die nun seit wenigen Wochen per Laser erfasst und online kostenlos veröffentlich werden, ernst genommen und seriös ausgewertet werden müssen.

Egal ob sich die Ängste der Händler bestätigen oder die Zahl der Passanten trotz Feinstaub, Stauchaos und Onlineboom vielleicht sogar steigt, es ist an der Zeit, eine der großen Debatten der Stadtentwicklung endlich mit Fakten zu füllen.

sven.hahn@stuttgarter-nachrichten.de

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