Ob mit oder ohne Rabatte – die Deutschen kaufen gerne ein. Foto: dpa

Die Deutschen geben mehr Geld aus. Die Frage ist nur: wofür und auf welchem Weg, meint Wirtschaftsredakteur Thomas Thieme.

Stuttgart - Die Deutschen entdecken ihre Lust am Geldausgeben. Und sie lassen sich dabei kaum von schlechtem Wetter und noch weniger von Anschlagsgefahr oder von Krisenängsten die gute (Kauf-)Laune verderben. Der konsumgetriebene Aufschwung speist sich aus einem günstigen Umfeld: die Erwerbstätigkeit ist so hoch wie nie, die Tarifabschlüsse in vielen Branchen machen sich im Geldbeutel bemerkbar; die Gefahr, arbeitslos zu werden, ist dagegen gering. Und wer in Nullkomma-Zinszeiten nicht in Aktien und Anlagen investieren mag, der wird sich ins Konsumieren flüchten und sein Geld in neue Besitztümer anlegen.

Eine gute Nachricht für die Händler liefert die Statistik: Der Anteil des Einzelhandelumsatzes an den Konsumausgaben der Privathaushalte in Deutschland ging 2015 zum ersten Mal seit 2004 nicht weiter zurück, sondern stieg wieder einen Tick an auf 30,6 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag der Wert noch bei 34,6 Prozent, vor fünfzehn Jahren bei 37,4 Prozent. Damals konnten Händler ihrer Pflicht zum Klagen auch dadurch nachkommen, indem sie hinter vorgehaltener Hand über den Konsumenten schimpften, der sein Erspartes in Fernreisen, Autos oder Eigentumswohnungen steckte und derweil auf kleinere Neuanschaffungen wie Klamotten, Elektrogeräte oder Schmuck verzichtete.

Die Konsumausgaben sind absolut gestiegen

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Konsumausgaben absolut gestiegen sind, was zum Teil aber auch an höhren Kosten für Energie und Mobilität liegt.

Eine weitere Umverteilungsmaschine in Zeiten, in denen die Gesamtumsätze im Einzelhandel in den meisten Warengruppen noch zulegen, teilweise sogar ganz ordentlich, ist der ungebrochene Boom des Online-Handels: Prinzipiell steht dieser Vertriebsweg allen Mitspielern offen – und doch können es sich gerade kleine Händler schlicht nicht leisten, auf allen Feldern gleichzeitig mitzumischen. Sie stehen permanent vor der Frage, ob sie einen verdienten Euro in den realen Laden stecken, um den stationären Erlebnisfaktor für die Kunden zu erhöhen, oder ob sie ihn ins virtuelle Schaufenster investieren, um dort nicht den Anschluss zu verlieren. Beides geht oft nicht. Einstweilen hilft die gute Konsumlaune auch vom Aussterben bedrohten Fachhändlern, langfristig müssen sie sich neue Kaufanreize einfallen lassen.

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