Nach Turbulenzen soll es im Leo-Center vorangehen: Das ist wichtig für die gesamte Region Leonberg.
Kaum ein Thema hat unsere Leserschaft in den vergangenen Wochen und Monaten so sehr bewegt, wie die momentane Situation und die Perspektiven des Leo-Centers. Die auffälligen Leerstände, die über Nacht verschwundenen Cafés oder die unerwartete Insolvenz des beliebten veganen Restaurants King of Greens haben weit über die Stadt hinaus für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Und all das ausgerechnet zum runden Geburtstag der Shoppingmall, die mit 50 Jahren eines der ältesten Center in Deutschland ist. In unserer schnelllebigen Zeit weiß Gott kein selbstverständliches Jubiläum.
Nicht nur bei den Kunden ist die Zukunft des Einkaufszentrums ein wichtiges Thema, schließlich ist es doch sozusagen die Fußgängerzone Leonbergs. In der Kommunalpolitik waren zuletzt etliche besorgte Stimmen zu hören, wie es am Neuköllner Platz wohl weitergehen könnte.
Die Antwort hat jetzt der Regionalchef Südwest der ECE-Betreibergruppe höchstselbst gegeben: Das Leo-Center hat eine gute Zukunft, versicherte Axel Diewald im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Oberchef sämtlicher Center von Frankfurt bis Singen hat hohe Erwartungen an den Traditionsstandort: Die Kaufkraft stimme, das Umfeld sei in Ordnung und auch die Verwurzelung in Stadt und Region sei tief. Beste Voraussetzungen also für ein gute Zukunft?
Wenn denn das eintritt, was der Bereichsleiter und die hiesige Centermanagerin Nadine Fensterer versprechen, dann dürfte einem um die Zukunft der Einkaufsmeile tatsächlich nicht bange sein. In den leer stehenden Läden soll in absehbarer Zeit wieder Leben einkehren, selbst eine Außengastronomie – in Leonberg schon lange auf der Wunschliste – könnte in der kommenden Saison eröffnet werden.
Neue Metzgerei in ansprechendem Ambiente
Für all dies freilich müssen Betreiber gefunden werden. Und da beginnt es, schwierig zu werden. Die Mieten bei ECE sind ein großes Thema, nicht wenige Händler begründen damit ihren Rückzug. Manager Diewald hält dagegen, dass es keine Pauschalpreise gibt: Für jedes Geschäft, jede Branche werde eine individuelle Lösung getroffen. Oft gehe es gar nicht so sehr ums Geld, sondern um den Platz, den ein potenzieller Mieter benötigt. Tatsächlich ist Bewegung erkennbar: Erst unlängst ist die regionale Metzgerei Schneider am Südeingang mit einer optisch ansprechenden Filiale an den Start gegangen, die sich guten Zuspruchs erfreut. Diese Eröffnung soll nicht die einzige bleiben.
Es ist im Interesse der Stadt Leonberg und der Menschen in der Region, dass die optimistischen Erwartungen des Regionalchefs in Erfüllung gehen. Das Leo-Center ist die zentrale Handelsstätte in Leonberg, die einerseits die Funktion des Nahversorgers mit Treffpunktcharakter hat, andererseits ein Magnet für ein kaufkräftiges Publikum aus dem Umland sein sollte.
Wieder Klasse statt Masse
Letzterer Aspekt ist in den vergangenen Jahren vor allem wegen der offenkundigen Vermietungsstrategie „Masse statt Klasse“ stark in den Hintergrund geraten. Gerade modebewusste Kundinnen haben sich abgewandt. Es muss im Interesse der ECE sein, wieder mehr Qualität ins Leo-Center zu bringen. Nicht nur, um verloren gegangene Kundschaft zurückzugewinnen. Mit einer ansprechenden Ladenpassage lassen sich zudem ungute Gerüchte und destruktive Kommentare im Netz am besten widerlegen.
Nicht zuletzt ist ein funktionierendes Leo-Center für den ganzen Handelsstandort wichtig. Wenn es gelingt, Center und Marktplatz städtebaulich tatsächlich näher aneinanderzurücken, profitiert davon auch die Altstadt. Die seit Jahrzehnten zerrissene City ist eines der ganzen großen Probleme der Stadt. Ob und wann dieser Lückenschluss gelingt, steht indes auf einem anderen Blatt.