Die Stadt Stuttgart zeichnet regelmäßig Ehrenamtliche für ihr Engagement aus – hier 2014. Doch im Alltag fühlen sich viele Helfer zunehmend von der Bürokratie überfordert Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Bürgerschaftliches Engagement ist für eine funktionierende Gesellschaft unersetzlich. Deshalb ist es ein Alarmsignal, wenn Ehrenamtliche die Stadt für die ausufernde Bürokratie kritisieren.

Stuttgart - Das Ehrenamt trägt seinen Namen nicht umsonst. Denn es gibt für ehrenamtliche Tätigkeiten kein Geld und meist auch keine persönlichen Vorteile. Im Gegenteil sind oft viel Arbeit, viel Engagement und viel persönliche Zeit damit verbunden. Der einzige Lohn dafür sollte, so sagt es schon der Begriff, die Ehre sein. Man könnte das auch Anerkennung nennen. Oder Respekt.

Doch immer mehr Menschen, die das so viel gepriesene bürgerschaftliche Engagement in die Tat umsetzen, fühlen sich nicht mehr geehrt. Sie fühlen sich ausgenutzt, im Regen stehen gelassen, gar bestraft. Das ist ein Alarmsignal. Denn ohne Ehrenamtliche geht es nicht. Sie organisieren in ihrer Freizeit die Stadtteilfeste, auf die alle so gerne gehen. Sie leisten soziale Unterstützung. Sie helfen, wo immer Hilfe gebraucht wird. Und das in der Regel, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Dass gerade sie sich jetzt mit scharfer Kritik an die Stadt wenden, muss deshalb aufhorchen lassen und Folgen haben. Dabei geht es nicht nur um den Weihnachtsmarkt in Hofen. Es geht darum, wie die Gesellschaft in Zukunft funktionieren soll.

Der Handlungsspielraum der Stadt hält sich dabei in Grenzen. Vieles, über das die Ehrenamtlichen klagen, wird ihnen tatsächlich von anderen Stellen auferlegt. Doch die Summe macht’s – und die Art, wie man mit ihnen umgeht. Die Verwaltung muss einen Weg finden, wie sie besser helfen kann, wie sie den Betroffenen das Gefühl zurückgibt, etwas Ehrenvolles zu tun.

Das allein wird aber nicht ausreichen. Auch viele Bürger, die lieber nur noch konsumieren, anstatt sich zu engagieren, sollten darüber nachdenken, was es auf Dauer bedeutet, die Arbeit immer nur anderen zu überlassen. Zur Ehre gereicht auch das ganz sicher nicht.

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