Gegner des neuen Bildungsplans demonstrieren vor dem Stuttgarter Rathaus Foto: Kovalenko

Nach wochenlanger öffentlicher Aufwallung hat die Landesregierung Passagen zu sexueller Vielfalt im künftigen Bildungsplan neu formuliert und eingeordnet. Das hätte man auch schneller haben können, meint Jan Sellner. Und unaufgeregter

Stuttgart - Das hätte man auch billiger haben können. Und schneller. Und unaufgeregter: Nach wochenlanger öffentlicher Aufwallung hat die Landesregierung Passagen zu sexueller Vielfalt im künftigen Bildungsplan neu formuliert und eingeordnet. Das Thema der sexuellen Orientierung erscheint nun nicht mehr als roter Faden, sondern steht unter dem Oberbegriff der Achtung gegenüber Menschen, die anders sind und denken – in kultureller, religiöser, ethnischer oder auch in sexueller Hinsicht.

Respekt vor dem anderen zu lernen, Toleranz zu üben und Akzeptanz zu entwickeln – das gehört in der Tat in den Pflichtenkatalog von Schulen. Das ist auch keine neue Erfindung, sondern wird vielerorts praktiziert. Grün-Rot, so wird versichert, wollte dies nur bekräftigen.

Warum dann der ganze Streit? Weil das Kultusministerium die Sache vielleicht gut gemeint, aber schlecht gemacht hat. Das Arbeitspapier, an dem sich die Auseinandersetzung entzündete, war insofern handwerklicher Murks, als es durch seine formelhaft-bürokratische Überbetonung des Themas sexuelle Vielfalt zu Missverständnissen und Missdeutungen geradezu einlud. Der Versuch, politisch überkorrekt zu sein, ging nach hinten los. Es ­gelang nicht, die Diskussion rechtzeitig wieder einzufangen und besorgten Eltern Ängste zu nehmen. Die gestrige Klarstellung hätte viel früher erfolgen müssen. Das geht mit dem Kultusminister heim.

Allerdings rechtfertigen dessen Versäumnisse keine Entgleisungen und auch keine Stimmungsmache. So engagiert die Debatte geführt wurde, so unsachlich bis unflätig waren ihre Begleiterscheinungen. Die überzogene Form der Auseinandersetzung zeigt: Respekt vor dem anderen sollten nicht nur Schüler lernen.

j.sellner@stn.zgs.de

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