Das Verwaltungsgericht sieht das Landratsamt im Recht. Foto: dpa

Auch wenn die Entscheidung der Ausbürgerung richtig war, braucht Sermet I. eine Perspektive. Sonst könnte er ganz in den Terrorismus abdriften.

Sindelfingen - Zwei Jahre Gefängnis liegen hinter Sermet I. und jede Menge Gerichtsverfahren. Der Traumjob bei Daimler ist weg. Nun verliert er noch die deutsche Staatsbürgerschaft. Die türkische hat er bei der Einbürgerung 2006 aufgegeben. Der 34-Jährige wird staatenlos – mit allen Konsequenzen: sein Aufenthaltsstatus in seinem Geburtsland Deutschland muss neu geklärt werden, die Jobsuche mit einer Verurteilung als Terrorhelfer und ohne Pass erscheint fast aussichtslos.

Keine Frage: all das hat sich der Sindelfinger selbst zuzuschreiben. Hätte er sich nicht mit Terroristen eingelassen, ausgerechnet, während das Einbürgerungsverfahren lief, könnte er heute ein geregeltes Leben führen. Weder das Mercedes-Werk, das ihm die Wiedereinstellung versagte, noch das Landratsamt, das die Einbürgerung zurücknimmt, konnte anders handeln. Alles geschah nach geltendem Recht.

Doch nun steht der 34-Jährige mit dem Rücken zur Wand, er hat nichts mehr zu verlieren. Das ist gefährlich. Zu befürchten ist, dass er nur noch unter Terroristen eine Heimat findet. Davon abhalten könnten ihn ein Job und die Perspektive, in absehbarer Zeit wieder einen Pass zu erhalten – wenn er sich bewährt. Dabei stehen die Behörden in der Pflicht, die ihn gerade ins Niemandsland geschickt haben.

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