Von sich selbst am meisten überzeugt: der S-21-Architekt Christoph Ingenhoven. Foto: AFP

Der Düsseldorfer S-21-Architekt Christoph Ingenhoven wirft der Stadt vor, die Planungen im Bahnhofsumfeld zu verschleppen. Ein klarer Fall von Selbstüberschätzung, kommentiert Redakteur Thomas Braun.

Stuttgart - Architekten – erst recht, wenn sie in der Öffentlichkeit als Stars ihrer Zunft apostrophiert werden – neigen mitunter zur Selbstüberschätzung. Da macht auch der Düsseldorfer Bahnhofserbauer Christoph Ingenhoven keine Ausnahme. Der Mann, dessen Büro mit Architekturpreisen nur so überhäuft wurde, ist zweifelsohne einer, der sein Metier beherrscht. Weniger ausgeprägt sind seine Fähigkeiten auf dem diplomatischen Parkett, zumindest wenn es um „seinen“ Stuttgarter Tiefbahnhof geht.

Seine Schimpfkanonade auf das bei der feierlichen Grundsteinlegung für Stuttgart 21 am vergangenen Freitag abwesende grüne Spitzenpersonal lässt sich vielleicht noch damit erklären, dass sich bei Ingenhoven der Frust über die schleppend vorangehenden Bauarbeiten am Bahnprojekt ein Ventil gesucht hat. Seine wiederholten Vorwürfe an die Stadtverwaltung, sie verschleppe die Planungen für das Bahnhofsumfeld, verkennen freilich die Tatsache, dass komplexe Planungsprozesse nicht über Nacht zu bewerkstelligen sind – erst recht nicht, wenn man sich wie die Landeshauptstadt das Thema Bürgerbeteiligung auf die Fahnen geschrieben hat.

Mögen solche Widrigkeiten einem Machertypen wie Ingenhoven fremd sein: die Stadt tut gut daran, das Für und Wider im Rahmen eines Architektenwettbewerbs genau abzuwägen. In dem an den Bahnhof angrenzenden Europaviertel lässt sich heute schon besichtigen, wozu allzu investorenbezogenes Bauen führen kann. Wenn es, wie aus dem Rathaus kolportiert wird, dem S-21-Architekten nur darum geht, sich den einen oder anderen Auftrag im Umfeld des neuen Bahnhofs sichern zu wollen, erscheint seine öffentliche Abrechnung in einem anderen Licht. Für die Stadt geht es nicht darum, Preise einzuheimsen; sie zahlt und trägt die Verantwortung für ein städtebaulich stimmiges Gesamtkonzept.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: