Ein Opfer ihres Erfolgs: Die S-Bahn wird seit Jahren tendenziell unpünktlicher Foto: Jan Reich

Die Stuttgarter S-Bahn ist jahrelang immer unpünktlicher geworden. Redakteur Alexander Ikrat führt aus, weshalb wohl nur eine Großinvestition etwa in neue Signaltechnik hilft.

Stuttgart - Es wird immer deutlicher, dass es eine Illusion ist, die S-Bahn könnte auf ihren heutigen Wegen jemals wieder so pünktlich werden wie sie es in ihren Glanzzeiten einmal war. Die Bahn arbeitet zwar mit Hochdruck an der Reparatur der langen vernachlässigten Stellwerke, Weichen und Signale – die technische Runderneuerung wird aber wohl keine Wunder bewirken. Ebenso wenig wie eine schnelle Abfertigung nicht nur im stark frequentierten Hauptbahnhof, sondern auch in der Stadtmitte. Oder längere Züge auf der S 1, die ab Dezember fahren sollen. Oder weniger Regionalzüge, die den S-Bahnen im Weg sind.

Nachdem die Bahn-Verantwortlichen lange geleugnet haben, dass die S-Bahn allzu unpünktlich geworden ist, zeigen sie sich inzwischen sehr engagiert. Sie finden – mit Unterstützung des Verkehrsverbunds Stuttgart – in allen Bereichen Möglichkeiten, Sekunden oder gar Minuten aus dem Betrieb herauszukitzeln. Dabei machen sie einen guten Job, dessen Auswirkungen gleichwohl noch Monate bis Jahre auf sich warten lassen.

Doch es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen. Jedes Jahr steigen Millionen mehr Menschen in das Nahverkehrsmittel, und die Situation im Innenstadttunnel spitzt sich weiter zu. Als nächstes im Dezember, wenn der Verband Region Stuttgart den 15-Minuten-Takt am Nachmittag ausweitet und damit die kritische Betriebszeit.

Es ist jetzt an den Regionalpolitikern, die S-Bahn-Infrastruktur neu zu denken, Untersuchungen zu einem neuen Signalsystem anstellen, auch wenn dieses im dreistelligen Millionenbereich kosten könnte. Ausloten, ob weitere Bahnsteige im Tunnel möglich wären. Es müssen Wege gefunden werden, mit denen die S-Bahn auch künftige Erfolge verkraftet.

a.ikrat@stn.zgs.de

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