Prorussische Separatisten in der Ukraine Foto: dpa

Putin muss die Geiselnahme in der Ukraine stoppen. Gelingt ihm das nicht, beweist das nur eins: Putin ist ersetzbar. Setzt sich diese Erkenntnis in Moskau erst einmal durch, dann stehen der Welt blutige Zeiten bevor.

Der prorussische Milizenführer Wjatscheslaw Ponomarjow führt die gefangenen OSZE-Militärbeobachter wie Schuljungen vor, die die Klassenkasse veruntreut haben. Für die acht Offiziere keine unbekannte Situation. In ihrer Ausbildung haben sie gelernt, wie sie sich in solchen Lagen verhalten sollen: diplomatisch, kooperativ, ihren Geiselnehmern notfalls nach dem Mund redend. Genau das macht Oberst Axel Schneider, wenn er sagt, er und seine Kameraden seien „Gäste von Ponomarjow, keine Kriegsgefangene“.

Der Milizenchef hat längst gesagt, was er mit den Geiseln vorhat. Für ihn sind sie die Währung, mit der er seine Kumpane freipressen will, die ihrerseits von ukrainischen Sicherheitskräften festgesetzt wurden. Er tritt damit eine Organisation mit Füßen, der auch Russland im November 1990 beigetreten ist: der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Die OSZE hat die Militärbeobachter in die Ukraine entsandt. Auch wenn dem die prorussischen Separatisten nicht explizit zugestimmt haben.

Es ist Aufgabe des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Geiselnahme in der Ostukraine sofort zu beenden. Es hat den Anschein, dass der selbst ernannte Anführer der etwa 34 000 Russen im 118 000 Einwohner zählenden Slawjansk die russische Politik in der Ukraine-Krise bestimmt – und nicht mehr der Kremlchef. Ob auf Moskaus Befehl oder nicht: Ein Großmaul aus der Provinz spielt russischer Präsident. Putin hat die Krim gewonnen, er hat die Ukraine nachhaltig destabilisiert. Überlässt er jetzt die OSZE und ihre Errungenschaften dem Hasardeur aus Slawjansk, beweist das nur eins: Putin ist ersetzbar. Setzt sich diese Erkenntnis in Moskau erst einmal durch, dann stehen der Welt blutige Zeiten bevor.

f.feyder@stn.zgs.de

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