Mehr Transparenz gehört in das Thema Organspende – nur so werden wieder mehr Menschen bereit sein, einen Spenderausweis bei sich zu tragen Foto: dpa

Mehr Transparenz gehört in das Thema Organspende – nur so werden wieder mehr Menschen bereit sein, einen Spenderausweis bei sich zu tragen, meint unser Kommentator Willi Reiners

Stuttgart - Es ist sinnlos, sich über den Göttinger Freispruch zu ereifern. Zum Zeitpunkt, als der Medizinprofessor Aiman O. Patientendaten frisierte, um die Transplantation für die Betreffenden zu beschleunigen, stand das noch nicht unter Strafe. Insofern scheint der Freispruch zwingend. Man wird sich damit trösten müssen, dass sein moralisches Fehlverhalten mit zu verschärften Regeln für die Organvergabe geführt hat – und letztlich auch zu einer Strafbewehrung von Manipulationen an der Warteliste für Patienten.

Für Gesprächsstoff dürfte das Urteil trotzdem sorgen. Der Vorsitzende Richter Ralf Günther hat nämlich die Regeln, nach denen Lebern und Nieren verteilt werden, grundsätzlich infrage gestellt. Darf einem langjährigen Alkoholiker, der noch nicht lange genug abstinent ist, eine neue Leber verweigert werden? Der Richter hat das als unhaltbar, ja verfassungswidrig bezeichnet. Es ist an der Zeit, darüber breit und öffentlich zu debattieren. Wie überhaupt mehr Transparenz in das Thema Organspende gehört. Nur so werden wieder mehr Menschen bereit sein, einen Spenderausweis bei sich zu tragen.

Anderswo wundert man sich über die hiesigen Verhältnisse. Es würden in Deutschland zu viele Organe an Sterbenskranke vergeben, wird im Ausland kritisiert. Tatsächlich sind die Überlebensraten von Transplantierten im ersten Jahr in vergleichbaren Ländern besser, weil dort die Überlebenschancen stärker mit über den Wartelistenplatz entscheiden. Auch darüber wäre zu diskutieren.

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