Die Eröffnungsfeier in Rio de Janeiro: Farbenprächtig und schrill. Foto: Getty Images South America

Was von der Eröffnungsfeier in Erinnerung bleiben wird, ist nicht das bunte Spektakel, sondern das Thema Doping, kommentierte Jochen Klingovsky.

Rio de Janeiro - Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro war bunt, schrill, laut – und durchaus gelungen. Ob sie lange in Erinnerung bleiben wird? Eher nicht. Allerdings können die Organisatoren am Zuckerhut ja nichts dafür, dass ihre Kollegen vor vier Jahren in London James Bond und die Queen einfliegen ließen. Mit ihrem britischen Humor haben sie die Latte derart hoch gelegt, dass es jeder Olympia-Gastgeber schwer haben wird, noch einen draufzusetzen.

Aber darum ging es in Rio auch nicht. Dazu waren die Themen vor der Eröffnung zu ernst – und sie werden es auch weiterhin sein. Das Olympia-Team aus Russland wurde im Laufe der Feier im Maracana-Stadion immer größer, aktuell dürfen aus dem Land, das die olympische Familie durch staatliches, systematisches Doping auf perfide Art und Weise hintergangen hat, 279 Athleten starten. Das ist ein Skandal! Der das Publikum aber nicht weiter zu stören scheint. Die Brasilianer nahmen den Einmarsch des russischen Teams gleichgültig zur Kenntnis, und Thomas Bach, der harte Sanktionen versprochen und dann doch nichts gegen die Betrüger unternommen hatte, wurde gar mit freundlichem Applaus begrüßt. Statt Taten gab es von ihm erneut nur große Worte. Der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erklärte, die Spiele in Rio seien die Antwort auf die Krisen dieser Welt. Dabei hat er nicht mal die Probleme im eigenen Haus gelöst. Was für eine Farce!

Dazu passt, dass das Thema Doping die Herren der Ringe auch weiterhin beschäftigen wird. Rechtzeitig zur Eröffnungsfeier tauchte die Meldung auf, dass Gastgeber Brasilien, dessen Team von den eigenen Fans überschwänglich gefeiert wurde, offenbar generös darauf verzichtet hat, seine Athleten in den letzten sechs Wochen vor Beginn der Spiele auf verbotene Mittel zu testen. Die opening ceremony war zugleich eine doping ceremony. Das ist bedauerlich – zuvorderst für alle sauberen Sportler. Sie sind die Betrogenen in diesem schmutzigen Spiel und können einem nur noch leidtun. Was dann doch noch etwas ist, das von dieser Eröffnungsfeier in Erinnerung bleiben wird.

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