Verschimmeltes Brot ist gesundheitsgefährdend Foto: Fotolia

Kontrolle bei Lebensmitteln ist wichtig, stößt aber an Grenzen. Auch die Verbraucher müssen wachsam sein, findet unser Kommentator Arnold Rieger.

Stuttgart - Tag für Tag schwärmen in Baden-Württemberg 350 Lebensmittelkontrolleure aus, um in die Töpfe von Restaurants zu gucken, das Fleisch von Metzgereien zu beschnüffeln und Proben zu nehmen von Tabak, Kosmetika und Haushaltsgeräten. Das erscheint auf den ersten Blick viel und verleitet dazu, sich in Sicherheit zu wiegen. Die großen Skandale sind ja auch gottlob selten, der Kontrolldruck trägt dazu bei, dass die Lebens- und Futtermittel im Großen und Ganzen in Ordnung sind. Es gibt also ein Netz beim Verbraucherschutz, das hält.

Wer sich allerdings bewusst macht, wie viele Wurst- und Käsesorten allein ein mittelgroßer Supermarkt anbietet, und wer bedenkt, dass allein im Südwesten 230 000 Betriebe mit Lebensmitteln hantieren, der sieht ein: Das Netz ist grob geknüpft, mehr als Stichproben sind nicht drin. Das wäre auch mit zusätzlichen tausend Kontrolleuren nicht viel anders, dafür ist das Warenangebot einfach zu umfangreich. Die schützende Hand vor Schlamperei und Betrug kann also nicht überall sein. Das sollten jene bedenken, die bei Skandalen – und der nächste wird so sicher kommen wie das Amen in der Kirche – sofort nach dem Staat rufen.

Die allermeisten Betriebe nehmen die Pflicht zur Eigenkontrolle ja auch ernst. Eine ähnliche Pflicht sollte sich auch jeder Verbraucher auferlegen: Wer informiert und kritisch durch die Warenwunderwelt flaniert, läuft nicht so schnell Gefahr, zum Opfer zu werden. Natürlich kann niemand Kosmetika testen oder Wurst analysieren. Doch jeder kann den Zusammenhang zwischen Preis und Qualität kennen. Wer bei Lebensmitteln immer nur auf billig setzt und wen es nicht juckt, wie lange die Liste der Zusatzstoffe ist, der darf sich nicht wundern, wenn er am Ende geneppt wird.

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