Karstadt in Stuttgart schließt - die Mitarbeiter zahlen die Rechnung Foto: dpa

An Karstadt haben sich schon prominente Unternehmer und Manager wie Thomas Middelhoff und Nicolas Berggruen versucht – ohne Erfolg. Jetzt wird es ernst, vor allem für die Mitarbeiter.

Stuttgart - Nicolas Berggruen versucht, die Welt zu retten, ist aber schon bei Karstadt gescheitert. Unter dem Ex-Eigentümer hat der Warenhauskonzern viel Zeit verloren, die beim Kampf um Marktanteile verloren ging.

 

In der Zwischenzeit sind in Stuttgart mit dem Milaneo und dem Gerber riesige Konkurrenten auf den Markt getreten, die mit ihren modernen Konzepten den herkömmlichen Warenhäusern das Leben noch schwerer machen als es ohnehin schon ist – von all den Amazons ganz zu schweigen. Bei Karstadt hat sich in dieser Zeit nicht viel getan – und je mehr Zeit verlorengeht, desto härter wird das Umsteuern.

Das bekommen jetzt die Mitarbeiter in Stuttgart mit voller Härte zu spüren. Man habe sich „nach eingehender Prüfung und intensiver Analyse der Ergebnissituation und Wettbewerbsperspektive“ entschieden, Stuttgart und ein Haus in Hamburg zu schließen, teilte der Aufsichtsrat nach seiner Sitzung mit – eine durchaus vieldeutige Aussage. Dass die Konkurrenz am Standort Stuttgart so scharf ist wie nie zuvor, lässt sich kaum bestreiten; man muss schon sehr optimistisch sein, um anzunehmen, dass sich Karstadt und das nahe gelegene Gerber gegenseitig die Kunden zuschustern und gemeinsam zu einem umso stärkeren Publikumsmagnet werden.

Doch nicht nur die bestehenden Geschäfte stehen im Wettbewerb, sondern auch Firmen, die noch gar präsent sind. Es ist durchaus möglich, dass Investor Benko, zu dessen Imperium auch Warenhausimmobilien gehören, davon ausgeht, die Immobilie anderweitig besser zu vermarkten – und sei es als Bürofläche in bester Lage. Für Benko mag das Aus ertragreich sein, für die Mitarbeiter ist es traurig.

Der Verdi-Vorwurf, wonach die Mitarbeiter für Versäumnisse des Managements bluten müssen, lässt sich nicht bestreiten – doch durch eine zutreffende Beschreibung lassen sich diese leider wohl nicht mehr ändern.