Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras Foto: ANA-MPA

Wer außer dem applaudierenden französischen Präsidenten François Hollande bringt noch die Naivität auf zu glauben, von den griechischen Reformvorschlägen sei irgendetwas für bare Münze zu nehmen?

Stuttgart - Das kommt zu spät. Was Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras an Reformen gelobt, um an ein weiteres, vorerst rettendes Kreditpaket der europäischen Partner zu gelangen, mag sich in der Tat vielversprechend lesen. Aber wer außer dem applaudierenden französischen Präsidenten François Hollande bringt noch die Naivität auf zu glauben, davon sei irgendetwas für bare Münze zu nehmen?

Die Nagelprobe des griechischen Reformwillens währt doch schon seit Jahren. Resultat: ungenügend. Das ist zweifellos nicht allein, nicht einmal in erster Linie der Syriza-Bewegung um Tsipras anzulasten. Aber gerade sie hat seit ihrem Amtsantritt besonders schrill zurückgewiesen, was sie nun in Aussicht stellt: Leistungskürzung der öffentlichen Hand, Haushaltskonsolidierung, Investitionen. Außerdem war es Syriza, die sich für ihre Null-Bock-Haltung in einer Volksabstimmung großen Rückhalt geholt hat.

Die Kernaussage dieses Votums bleibt: Euro ja, auswärtige Finanzhilfe ja, aber wir machen unser Ding. Und bringen keine weiteren Opfer. Schluss mit Spar- und Reformauflagen aus Brüssel, weg mit allem, was eine unappetitliche Hasspropaganda in Griechenland als deutsches Diktat identifiziert.

So ganz ernst gemeint war auch das nun offensichtlich nicht. Tsipras kriecht zu Kreuze. Aber das reicht nun wirklich nicht als Basis für ein weiteres Hilfspaket. So sinnvoll es – den Willen zu einer grundlegenden Staatsreform vorausgesetzt – zur Abwendung von großem Leid für viele Griechen und zur Stabilisierung Europas und seiner Gemeinschaftswährung auch wäre. Die Basis ist weg, weil die Regierung Tsipras die höchste Währung bereits verspielt hat, die es im Wirtschaftsleben gibt: Vertrauen. Und zwar restlos.

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