Nulands Foto: EPA

Der dumm-derbe Spruch von Victoria Nuland, Obamas Topberaterin in Europa-Fragen, taugt nicht dazu, daraus eine politische Affäre zu stricken, findet unser Kommentator

Stuttgart - In der sinngemäßen deutschen Übersetzung klingt das kein bisschen besser: Scheiß auf die EU – das sollte einer ausgerechnet für Europa zuständigen Abteilungsleiterin im US-Außenministerium definitiv nicht über die Lippen kommen.

Ihr dumm-derber Spruch taugt allerdings nicht dazu, daraus eine politische Affäre zu stricken. Zu eindeutig ist, dass er in einem Dialog fiel, in dem nichts für die Ohren Dritter bestimmt war. Vor allem aber sind die schäbigen politischen Ziele so offensichtlich, die sich mit der Veröffentlichung dieser Entgleisung trefflich verfolgen lassen.

Schließlich ist der Satz in einem abgehörten Telefongespräch gefallen. Mit ihm ein abwertendes Urteil über den von der EU hofierten Vitali Klitschko, einen der Wortführer der ukrainischen Opposition.

Toll, wen und was man alles schlecht aussehen lassen kann, wenn das an die Öffentlichkeit dringt: Die ohnehin aufgerauten Beziehungen zwischen EU und USA, weil die Partner noch nicht mal über die Ukraine einig scheinen. Klitschko selber, weil es nun so aussieht, als hielten ihn die Amerikaner für eine Pfeife. Also auch gleich die ganze Oppositionsbewegung? Und ja, selbst Russland, weil dessen Regierung nun so dasteht, also habe sie alles inszeniert vom Abhören bis zum Ausposaunen. Wonach es zwar aussieht. Was aber keineswegs bewiesen ist.

Das alles richtig eingeordnet, folgt daraus: Ein Rüffelchen muss sein für die undiplomatische Diplomatin. Aber dann heißt es: Mund abwischen, weiter geht’s.

c.reisinger@stn.zgs.de

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