Die technische Voraussetzung für WLAN in Asylheimen ist gegeben, es fehlt am Willen Foto: dpa

Das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge wächst in vielerlei Hinsicht: Freiwillige wollen zahlreiche Asylheime mit Internet versorgen. Das ist wichtig, weil Asylsuchende damit etwas Selbstbestimmung zurückerlangen, meint Redakteur Leon Scherfig.

Stuttgart - Wer an der Welt teilhaben will, braucht einen Zugang zum Internet – das gilt für jeden, in einem ganz besonderem Maße allerdings für Flüchtlinge.

Denn die digitale Identität, die der Europäer üblicherweise mit der Überwachungsangst vor Geheimdiensten oder Konzernen verbindet, ist für viele Asylbewerber eine der letzten Chancen zur Selbstbestimmung. Ausweisedokumente und Bargeld nehmen Schlepper den Flüchtlingen ab. Die Zugangsdaten für Internetkonten, etwa für das Bezahlsystem PayPal, können die Profiteure des Elends den Hilfesuchenden glücklicherweise nicht aus den Taschen fischen.

Es ist aus mehreren Gründen wichtig, dass Flüchtlinge auf diese Nutzerkonten zugreifen können. Erstens, um unabhängig von staatlicher Alimentierung zu sein. Zweitens, um Kontakt zu den Familien in der Heimat zu halten. Und drittens, um sich besser in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Denn der Zugang zum Wissen im Netz hilft dabei, die Sprache zu lernen, die Adressen von Behörden zu finden, die neue Heimat kennenzulernen.

Dass sich nun Freiwilligen zusammentun, um Spenden für freie Internetzugänge in Flüchtlingsheimen zu sammeln, ist ein weiterer Erfolg des ehrenamtlichen Engagements, der viele Spielarten kennt. Die freien Träger der Einrichtungen tun daher gut daran, diese Bemühungen zu unterstützen.

Die meisten Kritikpunkte an einer Internetversorgung für Heimbewohner sind indes grober Unfug. Es zeugt von einem dumpfen Populismus zu behaupten, der Zugang führe zum Konsum von radikalislamischen Videos und trage somit zur Radikalisierung bei. Denn die Erfahrung zeigt: Menschen radikalisieren sich am ehesten dort, wo sie sich isoliert fühlen.

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