Gewann in diesem Jahr vier WTA-Titel, doch in New York war früh Schluss für Angelique Kerber Foto: dpa

Obwohl derzeit die talentierteste Damen-Generation seit Steffi Graf gegen die gelbe Filzkugel schlägt, bleiben die Erfolge bei den Grand-Slam-Turnieren aus. Unter anderem ist dafür das dünne Nervenkostüm der deutschen Tennis-Damen verantwortlich, meint Sportredakteur Simon David.

Stuttgart - Wieder nichts. Auch bei den US Open wird in diesem Jahr kein deutscher Tennisprofi am Ende jubeln. Seit Steffi Grafs Erfolg in Roland Garros 1999 wartet die einst so begeisterte Tennisnation hierzulande auf einen Grand-Slam-Triumph im Einzel. Gefühlt seit einer Ewigkeit also. Und das, obwohl die talentierteste Damen-Generation seit Steffi Graf derzeit gegen die gelbe Filzkugel schlägt.

Doch Angelique Kerber, die in diesem Jahr immerhin vier WTA-Titel gewann, Andrea Petkovic oder Sabine Lisicki schaffen es nicht, ihr komplettes Leistungsvermögen auch bei den Grand Slams abzurufen. Die Bilanz bei den Majors in dieser Saison ist jedenfalls enttäuschend: Nur Lisicki (US Open) und Julia Görges (Australian Open, French Open) erreichten 2015 die zweite Turnierwoche. Die Gründe für das schlechte Abschneiden sind vielschichtig – einer aber ist offensichtlich: Die deutschen Ladys haben ihre Emotionen nicht im Griff – vor allem bei Grand Slams oder wie im Vorjahr im Fedcup-Finale gegen Tschechien in Prag (1:3).

Sie bekommen dann stets das große Nervenflattern. Bester Beweis: Die 72 (!) unerzwungenen Fehler von Sabine Lisicki bei ihrer Achtelfinalniederlage in New York gegen eine strauchelnde Simona Halep, die Zweite der Tenniswelt. Allerdings: Das dünne Nervenkostüm ist nur das eine. Das andere ist die Einstellung. Letztlich, so muss man konstatieren, fehlt den deutschen Spielerinnen momentan der letzte Biss für einen großen Titel. Leider.

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