Gescheitert: Alfred Kaminski Foto: Baumann

Die Stuttgarter Kickers sind am Tiefpunkt. Der Verein muss aufpassen, dass er im Aufzug nicht den falschen Knopf erwischt und noch einmal nach unten rauscht. Ein Kommentar unseres Redakteurs Jürgen Frey.

Stuttgart - Alfred Kaminski ist ein engagierter und akribischer Trainer, der die Regionalliga bestens kennt. Doch am Ende war er nicht mehr zu halten. Nicht einmal haben die Stuttgarter Kickers in 16 Spielen zweimal nacheinander gewonnen, nur ein Heimsieg steht zu Buche. Eine positive Entwicklung ist nicht festzustellen. Im Gegenteil: Die Niederlage bei den Feierabendprofis vom FC Nöttingen war der Tiefpunkt. Dass der Trainer selbst sagte, dass es einigen Spielern egal sei, ob sie gewinnen oder nicht, bedeutet zwei Dinge: Er erreichte Teile des Teams nicht mehr. Und: Bei der Zusammenstellung des Kaders wurden Fehler gemacht. Das spielerische Element stand zu sehr im Vordergrund, zu wenig die Mentalität. Die zusammengewürfelte Mannschaft entwickelte keinerlei Identifikationswert – ein Trauerspiel.

Was jetzt Sinn ergibt, ist nur gnadenloser Realismus: Es wäre Unfug, sofortige Wiederaufstiegsträume noch im Hinterkopf zu haben. Der Verein muss vielmehr höllisch aufpassen, dass er im Aufzug nicht den falschen Knopf erwischt und noch einmal nach unten rauscht. Um die Kurve nach oben zu bekommen, braucht es einen Trainer mit Leidenschaft und Risikofreude, der mit fachlicher und sozialer Kompetenz Impulse setzt und Euphorie vorlebt.

Natürlich muss sich auch die Vereinsführung um Chef Rainer Lorz hinterfragen und vorwerfen lassen, dass im Präsidium ein sportfachliches Korrektiv zur sportlichen Leitung fehlt. Aus Frust und Verärgerung über die Talfahrt nun einen weiteren Rücktritt zu fordern, wäre aber kontraproduktiv. Wer will sich schon vor eine Karre spannen, die im Sumpf feststeckt? Die Kickers wären handlungsunfähig.

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