Daimler: In den nächsten Jahren wird entschieden, wer im globalen Wettbewerb der Automobilkonzerne die Nase vorn hat. Foto: dpa

Daimler hat seine Anteile an Tesla mit hohem Gewinn verkauft. Ein richtiger Schritt zum richtigen Zeitpunkt, findet unser Kommentator Michael Gerster.

22 000 Autos hat Tesla Motors im vergangenen Jahr verkauft. Dabei machte das Unternehmen von Elon Musk mit Sitz in Kalifornien 55 Millionen Euro Verlust. Trotzdem wird Tesla an der Börse mit 22 Milliarden Euro bewertet. Daimler hat allein knapp 1,6 Millionen Autos verkauft, von den Nutzfahrzeugen ganz zu schweigen. Doch der Konzern ist an der Börse mit aktuell 64 Milliarden Euro nur knapp dreimal so viel Wert wie der Winzling Tesla.

Dies verdeutlicht, wie sehr Tesla von Zukunftserwartungen lebt. Doch ob diese irgendwann­ erfüllt werden, ist zweifelhaft. Noch ist offen, ob sich, wie Elon Musk glaubt, der Elektroantrieb in Zukunft konkurrenzlos durchsetzen kann. Mindestens ebenso wahrscheinlich ist, dass es ein munteres Nebeneinander von Antrieben geben wird – vom Hybrid über den Verbrenner bis zur Brennstoffzelle.

Deshalb war es aus Sicht von Daimler der richtige Zeitpunkt, die Tesla-Anteile zu verkaufen und Kasse zu machen. Zu groß war die Gefahr, dass der satte Gewinn bald dahingeschmolzen wäre. Aus 50 Millionen Euro Investition sind binnen fünf Jahren 600 Millionen Euro geworden. Selten dürfte sich eine Beteiligung derart gelohnt haben.

Daimler auf der anderen Seite kann das Geld gut gebrauchen. In den nächsten Jahren wird entschieden, wer im globalen Wettbewerb der Automobilkonzerne die Nase vorn hat. Das fahrerlose Fahren, die Vernetzung und alternative Antriebe entscheiden als Schlüsseltechnologien über den Erfolg. Dafür braucht es riesige Investitionen in Forschung und Entwicklung. Wenn es gut läuft, zählt Daimler auch noch in zehn Jahren zu den besten Automobilunternehmen. Tesla könnte dann längst eine wunderliche Episode der Automobilgeschichte sein.

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