Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wird die Möglichkeit verwehrt, vor einem Zivilgericht um Schadenersatz kämpfen zu können. Foto: dpa

Nach dem Sieg im Fall Pechstein sieht der Sport keinen Anlass, seine Schiedsgerichtsbarkeit zu reformieren. Dabei wäre vor allem bei der Auswahl der Schiedsrichter für den Cas mehr Transparenz dringend nötig.

Karlsruhe - Mit fünf olympischen Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen ist Claudia Pechstein die deutsche Wintersportlerin Nummer eins. Ob solche Erfolge im Eisschnelllauf, in dem es auf Kraft und Ausdauer auskommt, auch sauber möglich sind, ist aktuell nicht die Frage. Es geht allein darum, ob Claudia Pechstein im Februar 2009 zu Unrecht ohne positiven Dopingtest nur aufgrund erhöhter Blutwerte gesperrt wurde und nun vor einem Zivilgericht auf Schadenersatz klagen darf oder nicht. Obwohl eine Vielzahl von Wissenschaftlern davon ausgeht, dass bei Pechstein eine vererbte Blutanomalie vorliegt, scheiterte die Athletin zuerst mit ihrer Forderung, die Sperre aufzuheben, vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas. Und nun, sieben Jahre später, wird ihr vom Bundesgerichtshof die Möglichkeit genommen, vor einem Zivilgericht um Schadenersatz zu kämpfen. Das ist höchst bedauerlich – weil es so viele Argumente pro Pechstein gibt, dass die Entscheidung der obersten Sportinstanz dringend überprüft werden müsste.

Und gleichzeitig ist der Sport, das zeigen die jüngsten Skandale allzu deutlich, derart durchdrungen von Korruption und Vetternwirtschaft, dass es nicht leichtfällt, noch irgendjemandem zu trauen – auch nicht der Sportgerichtsbarkeit. Erst recht nicht, wenn wie beim Cas die Bestellung der Schiedsrichter völlig intransparent abläuft und Sportverbände Einfluss nehmen können. Der Bundesgerichtshof wollte sich nicht einmischen, doch das sollte den Sport nicht daran hindern, selbst tätig zu werden – und dem Cas endlich eine Struktur zu geben, die mit staatlichen Gerichten vergleichbar ist. Ansonsten bewegt er sich weiter auf dünnem Eis.

jochen.klingovsky@stzn.de

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