Für viele Rentner ist die Betriebsvorsorge existenziell. Foto: dpa

Eine Kräftigung der Betriebsrenten könnte die Krise des Rentensystems lindern. Jedenfalls brauchen die Arbeitnehmer Anreize, um besser vorzusorgen, meint Matthias Schiermeyer.

Stuttgart - Die Rente hat das Zeug zum wichtigsten Wahlkampfthema vor den Bundestagswahlen 2017. Denn mit der Rente sind die großen Gerechtigkeitsfragen dieser Gesellschaft verknüpft: zwischen Arm und Reich, zwischen Jung und Alt. Das System scheint aus dem Lot geraten zu sein: Keine Vorsorgeform – ob gesetzlich, betrieblich oder privat – scheint heute noch die Akzeptanz vor allem der jüngeren Menschen zu finden. Entsprechend leidet die Bereitschaft, sich bestmöglich abzusichern. Da tun sich weitere gesellschaftliche Verwerfungen auf.

Die Gewerkschaften rufen das Thema mit Macht auf die Tagesordnung: Für den Herbst bereiten sie eine große Kampagne zur Modernisierung der Alterssicherung vor. Dabei wird es insbesondere um die gesetzliche Rente gehen. Aber unabhängig davon, wie diese letztendlich stabilisiert wird: Ohne die zwei anderen Säulen wird der gewohnte Lebensstandard wegen der Alterung der Gesellschaft nicht zu halten sein. Eine besondere Bedeutung kommt der Kräftigung der Betriebsrenten zu. Die digitalisierte Arbeitswelt mit ihren diffusen Strukturen wird darin nicht mehr abgebildet. Beispielsweise können Hunderttausende Selbstständige von der betrieblichen Vorsorge überhaupt nicht profitieren.

Bürokratische Hürden werden zum Problem

Geschmälert wird die Attraktivität des Instruments auch durch die bürokratischen Hürden und arbeitsrechtlichen Risiken für die Unternehmen. Folglich muss mehr Transparenz geschaffen und den Tarifpartnern mehr Handlungsfreiraum gewährt werden. Unvermeidlich erscheint zudem, dass sich der Staat eine Reform der Betriebsrente etwas kosten lässt. Die Förderung reicht nicht aus, um die Versorgungslücken gerade bei den gering entlohnten Beschäftigten zu schließen.

Bisher scheitert die Verpflichtung aller Arbeitgeber, einen Teil der Arbeitnehmergehälter in die betriebliche Vorsorge zu stecken, an der Furcht vor Einnahmeausfällen für den Staat. Dies ist eine kurzsichtige Politik – zumal in Zeiten von Rekordsteueraufkommen. Generationengerechtigkeit bedeutet auch, alle jüngere Beschäftigte in die Lage zu versetzen, für ihr Auskommen im Alter zu sorgen.

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