Muss noch viel dirigieren bis zur EM: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: dpa

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat den Widrigkeiten getrotzt, die das Dasein als Weltmeister so mitbringt und sich für die EM 2016 in Frankreich qualifiziert. Dennoch: Der Weltmeister muss sich schnell weiterentwickeln, meint Sportredakteur Dirk Preiß.

Stuttgart - Zugegeben: Ein Scheitern der deutschen Nationalmannschaft in der Qualifikation zur EM 2016 war so wahrscheinlich wie ein Schneesturm am Äquator. Nicht nur, weil in Frankreich erstmals 24 Teams an der kontinentalen Titeljagd teilnehmen dürfen. Und doch darf nun, da das Ticket gelöst worden ist, durchgeatmet werden. Denn eines haben die vergangenen Monate auch bewiesen: Weltmeister zu werden ist schon schwer genug, mit den Folgen umzugehen aber nicht minder schwierig.

Das deutsche Team jedenfalls fand nach dem Triumph 2014 nur schwer in den Modus fußballerischer Dominanz. Testspielpleite, Pflichtspielniederlagen, die verpasste vorzeitige Entscheidung vergangene Woche in Irland, weitere wenig souveräne Auftritte wie gegen Georgien – es gab etliche Belege für pessimistische Thesen: Dass das Reservoir an Toptalenten auch in Deutschland nicht unerschöpflich ist. Dass selbst hochveranlagte Nachwuchskicker Jahre brauchen, um dauerhaft auf Weltniveau kicken zu können. Dass die Rücktritte (Lahm, Mertesacker, Klose) sehr wohl schwer wiegen. Dass manch ein Held nach der post-triumphalen Pause Monate braucht, um sich mental und physisch aufzurappeln. Und dass die Gegner gegen den Weltmeister motivierter sind.

Das Team hat Respekt verdient

Der Bundestrainer und sein Team haben diesen Widrigkeiten letztlich getrotzt, was logisch klingt, jedoch Respekt verdient. Ein weiteres Ziel ist erreicht, die Arbeit wird dennoch nicht weniger. Noch immer sind manche Problemzonen, zum Beispiel die Außenpositionen in der Abwehr, nicht vollends aus der Welt. Die Führungsaufgaben im Team sind noch nicht entsprechend verteilt, und zuletzt fehlte bei aller Spielfreude die Konsequenz vor dem gegnerischen Tor. Daher gilt: Um auch den Traum vom EM-Sieg zu verwirklichen, muss sich selbst der Weltmeister weiterentwickeln – und sich immer wieder neu erfinden.

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