Nach der Gaddafi-Ära beginnen die Schwierigkeiten erst, sagr Michael Weißenborn.  

Stuttgart - Das plötzliche, reichlich surreal anmutende Erscheinen des Sohnes Saif al-Islam zeigt die Fähigkeiten des Gaddafi- Regimes, noch immer zurückschlagen zu können, selbst wenn ihm die Macht entgleitet. Tags zuvor hatte sich der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag bereits voreilig verleiten lassen, die Festnahme desselben Gaddafi-Sohnes zu verkünden. So schnell kann es gehen mit den Irrtümern im "Nebel des Krieges". Und so langsam und zugleich unübersichtlich entwickelt sich die Lage in dem nordafrikanischen Krisenland.

Und das ist erst der Anfang. Denn selbst wenn Gaddafi in Bälde Geschichte sein wird: dann beginnen erst Libyens eigentliche Probleme. Dann wird es zunächst darum gehen, für die Bevölkerung das Allernötigste - Sicherheit, die Versorgung mit Nahrung und Trinkwasser - zu organisieren. Dann werden die Vereinten Nationen und diesmal auch das Mitglied Deutschland zur Genüge gefordert sein. Zudem erschwert ein Mangel an Institutionen jenseits von Familien- und Stammesbanden den politischen Neuanfang. Libyens Übergangsrat muss also bei null anfangen, um die politische Teilhabe für möglichst viele zu organisieren. Sonst drohen vor den Toren Europas Chaos und Anarchie wie in Somalia. Keine sorgenfreie Perspektive - bei aller Freude über das nahende Ende des Tyrannen.

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